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Sara - Abraham
Wenn man in den Niederlanden „50“
wird, bekommt man zu seinen Geburtstag eine Puppe. Die
Männer kriegen einen „Abraham“, die Frauen eine
„Sara“, wie die Ureltern vom jüdischen Volk hießen.
Mit „50“ hat man schon ein gewisses Alter erreicht,
aber nicht jeder freut sich darüber! Bei den Herren
offenbart sich das oft mittels der „Midlifekrise“, sie
suchen dann oft mal eine neue Herausforderung, oder
wollen ihre Männlichkeit noch mal beweisen, die Damen
haben dann oft andere Probleme.
50 Jahre bedeutet aber eine gewisse Lebenserfahrung
und Weisheit. Man hat natürlich vieles erlebt und man
ist in der Lage, verschiedene Sachen von einander zu
trennen. Bei uns gibt es ein Sprichwort, wenn man über
jemanden redet, der besonders schlau ist: „Der weiß,
wo Abraham den Senf her hat.“
Als
die Mutter unserer Matrosin 50 Jahre wurde, wollte sie
unbedingt keine Feier! Sie mochte nicht mit ihrem
Alter konfrontiert werden. Wer sich benimmt wie ein
Strauß, muss damit rechnen, dass irgendwelche
Maßnahmen getroffen werden. Als ihr Geburtstag da war,
passierte nichts . . Die eine Hälfte der
Verwandtschaft war in Urlaub, die andere hatte keine
Zeit. Und sie schöpfte keinen Verdacht! Als einer
ihrer Kinder sie dann Monate später, als die
Urlaubszeit vorbei war, zu einer Kaffeefahrt mitnahm,
ahnte sie noch immer nichts.! Als dann bei einer
Gelegenheit angehalten wurde zum Kaffee- trinken, sah
sie einen Ehrenbogen und sagte: „Schau mal an, da
feiert einer Geburtstag, den 50. sogar, weil da steht
eine Sara!“ Und sie schöpfte noch immer keinen
Verdacht!! Als sie dann eingetreten waren, grinsten
sie die Gesichter ihrer Familienangehörigen an, samt
der ganzen Verwandtschaft! Und da hat sie erst
gemerkt, dass die ganze Feier für sie angerichtet war.
Amüsiert hat sie sich trotzdem, aber der Gedanke hat
ihr am Anfang nicht gefallen.
Auf dem Schiff ist es immer schwierig, heimlich etwas
zu organisieren. Als es bei mir so weit war, wusste
ich schon, dass man an irgendetwas bastelte. Dann war
meine Frau mal hiermit beschäftigt, dann hatte sie
etwas anderes zu tun, dann war sie zur Post; naja, ich
wollte mich einfach überraschen lassen.
An meinem Geburtstag haben wir dann mit unserem Schiff
in Zwijndrecht gelegen, wo auch meine Schwiegermutter
wohnt. Und da bekam ich Post. Alles Geburtstagkarten,
von sehr vielen Bekannten aus Holland, Belgien,
Deutschland, England, Österreich und Ungarn. Naja,
einen ganzen Schuhkarton voll, über 150 Stück. Da es
an Bord fast unmöglich ist, eine Feier mit vielen
Leuten zu organisieren, weil man nie zuvor weiß, wo
sich das Schiff befinden wird, wurde diese Party
einfach postalisch gefeiert!
Und natürlich bekam ich meinen Abraham. Ihm wurde ein
Arbeitsanzug angezogen, und sitzend auf dem Ruderboot
ist er von Holland aus mitgefahren bis Bamberg als 4.
Mann! Zufällig hatten wir diese Reise noch einen
Schubleichter dabei und dazu braucht man ja diesen
Extra-Kerl!

Unterwegs wurden wir von vielen Leuten angesprochen,
wozu wir den Extra-Mann an Bord hätten. Ein
holländischer Kollege hat mich gefragt: „Hast Du
diesen Leichter zum Geburtstag bekommen?“
In Bamberg hat mich der Hafenmeister auch noch
befragt. Die Geschichte gefiel ihm, ein paar Stunden
später kam ein Zeitungsreporter und am nächsten Tag
war Abraham in der Bamberger Zeitung!
So kommt vielleicht ein holländischer Brauch auch in
Bayern zu Recht.
Als die MS „JENNY“ vor kurzem bei
uns in der Schleuse Kachlet gelegen hat und der
Albrecht sich eine Zeitung an Land holte, erzählte
seine Frau: „Ja, und morgen wird der Albrecht 50!“. In
Sekunden war die Puppe von einem auf das andere Schiff
umgezogen, und am nächsten Morgen hatte auch er sein
„Zeichen der Weisheit!“
Dass er und seine
Frau noch lange davon genießen mögen!
Abraham Mannak, alias Martin Mannak, „JANNY-JANNY M” |