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Noch so´n Reisebericht (Teil 2)
abgegeben vom Air-Busfahrer Andreas Milde
Langsam kann ich mir auch
vorstellen, was da so in einen Schiffsbauch
reingeht. 2.300 to kann die „Jenny“ laden, 395
to wiegt ein vollbeladener Jumbo-Jet. Könnte man
also gewichtsmäßig fast 6 Jumbos im Schiff
stapeln. Ca. 115 to Sprit braucht ein Jumbo-Jet
von Frankfurt nach San Francisco. Also könnte
die „Jenny“, wäre sie ein Tanker, 20 Jumbos mit
Sprit versorgen! Ach ja, genauso wie die
Schiffe, fliegen wir auch mal mit dem Strom, mal
gegen den Strom; Luftstrom halt, besser bekannt
als „Wind“ und „zu Tal“ tun wir uns mit dem
Fliegen auch leichter als „zu Berg“. Wenn´s in
die Warteschleife geht, fliegen wir auch vorher
schon ganz langsam, so, wie das der sparsame
Kapitän Scheubner macht. Das braucht weniger
Sprit und man hängt dann nicht so lange rum vor
der Schleuse, bzw. in der Warteschleife.
Am Freitag, den 13., wird´s
dann ernst. Es geht durch Frankfurt und deshalb
bin ich auch schon um halb sieben wach. Gerade
als wir in Mühlheim im Unterwasser ankommen, bin
ich schon an der frischen Luft. Gegen Mittag
wird die Einfahrt in den Rhein erwartet und
kurze Zeit später geht´s durch die Berge, von
Bingen nach Koblenz. In Mainz nehmen die
Scheubners erst noch ein Fernsehteam mit an
Bord. Etwas Öffentlichkeitsarbeit muss ja jeder
leisten, wenn er nicht will, dass sein Gewerbe
in Vergessenheit gerät. Prompt werde ich
natürlich mit eingebaut in das Leben an Bord.
Gar nicht so einfach, wenn man die Frau Kapitän
fragen soll, wo´s hingeht, wenn man das schon
seit fünf Tagen weiß! Vor der Burg Kaub machen
die auch noch ein Interview mit mir, wo ich doch
eigentlich die Burg fotografieren wollte. Aber
das mache ich dann eben bei meiner nächsten
Fahrt und dann fahre ich von Koblenz zu Berg
mit, dann zieht die schöne Landschaft nämlich
nicht ganz so schnell an mir vorbei.
In der Zwischenzeit ist unser Fahrweg richtig
breit geworden und sachte schwingt das Schiff
auf den Heckwellen des Gegenverkehrs. Das macht
schon Spaß und ist beeindruckend, wie so ein 105
m-Schiff sich durchbiegen kann. Bei Düsseldorf
stehen wir dann plötzlich im Stau. Eine Brücke
wird gebaut und da darf´s nicht zu sehr
schaukeln, wenn der Schwimmkran das neue Teil
reinhebt, deshalb gibt´s nur
Einbahnstraßenverkehr. Da fällt uns wieder auf,
dass es auch auf den Wasserstraßen kleine
Verkehrsrowdys gibt. Manchen wird die Wartezeit
zu lange und unter den Augen der
Wasserschutzpolizei, die nicht eingreift,
schummeln sie sich nach vorne. Gut, dass Kapitän
Scheubner holländisch kann, so kriege ich später
noch synchron übersetzt, wie sich der Drängler
bei seinem Kollegen über Funk damit brüstet, wie
er das jetzt wieder hingekriegt hat. Eines habe
ich während dieser Fahrt auch gelernt: Ärmere
Holländer haben einen LKW mit Bett hinten drin,
wohlhabendere, ein Auto mit Wohnanhänger und
reichere, ein Hausboot mit
Frachtraum vorne dran. Einen Vorteil haben die
Holländer ja: Irgendwie wird das
Transportgewerbe im Benelux-Staat steuerlich
einfach viel, viel besser gestellt als
hierzulande; egal ob zu Wasser, zu Lande oder in
der Luft. Dafür sind die Sichtverhältnisse
schlechter und Landschaft am Rande der Flüsse,
naja, nicht viel vorhanden.
Mit den Eindrücken der Rotterdamer Hafenanlagen
verlasse ich das Schiff und reise zurück nach
Hause. Diesmal mit dem Flieger, damit nichts
schief geht.
Eines habe ich mir fest vorgenommen: Wenn ich
mal die Ladung „T.n.W.“ an Bord habe, rufe ich
die MSG an, damit wir vom Zielflughafen aus
direkt in die „Jenny“ umladen können.
Damit grüße ich meine Gastgeber und wünsche
ihnen immer das bisschen Wasser unterm Kiel, das
ich an Luft unterm Flügel brauche, damit wir
beide, Schiffer und Flieger, oben bleiben.
Bis zum nächsten Mal, Euer Air-Busfahrer Andreas
Milde
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