Flaschenpost Nr. 2
Juni 2001                   Jahrgang 6

 

Noch so´n Reisebericht   (Teil 2)
abgegeben vom Air-Busfahrer Andreas Milde

Langsam kann ich mir auch vorstellen, was da so in einen Schiffsbauch reingeht. 2.300 to kann die „Jenny“ laden, 395 to wiegt ein vollbeladener Jumbo-Jet. Könnte man also gewichtsmäßig fast 6 Jumbos im Schiff stapeln. Ca. 115 to Sprit braucht ein Jumbo-Jet von Frankfurt nach San Francisco. Also könnte die „Jenny“, wäre sie ein Tanker, 20 Jumbos mit Sprit versorgen! Ach ja, genauso wie die Schiffe, fliegen wir auch mal mit dem Strom, mal gegen den Strom; Luftstrom halt, besser bekannt als „Wind“ und „zu Tal“ tun wir uns mit dem Fliegen auch leichter als „zu Berg“. Wenn´s in die Warteschleife geht, fliegen wir auch vorher schon ganz langsam, so, wie das der sparsame Kapitän Scheubner macht. Das braucht weniger Sprit und man hängt dann nicht so lange rum vor der Schleuse, bzw. in der Warteschleife. 

Am Freitag, den 13., wird´s dann ernst. Es geht durch Frankfurt und deshalb bin ich auch schon um halb sieben wach. Gerade als wir in Mühlheim im Unterwasser ankommen, bin ich schon an der frischen Luft. Gegen Mittag wird die Einfahrt in den Rhein erwartet und kurze Zeit später geht´s durch die Berge, von Bingen nach Koblenz. In Mainz nehmen die Scheubners erst noch ein Fernsehteam mit an Bord. Etwas Öffentlichkeitsarbeit muss ja jeder leisten, wenn er nicht will, dass sein Gewerbe in Vergessenheit gerät. Prompt werde ich natürlich mit eingebaut in das Leben an Bord. Gar nicht so einfach, wenn man die Frau Kapitän fragen soll, wo´s hingeht, wenn man das schon seit fünf Tagen weiß! Vor der Burg Kaub machen die auch noch ein Interview mit mir, wo ich doch eigentlich die Burg fotografieren wollte. Aber das mache ich dann eben bei meiner nächsten Fahrt und dann fahre ich von Koblenz zu Berg mit, dann zieht die schöne Landschaft nämlich nicht ganz so schnell an mir vorbei.
In der Zwischenzeit ist unser Fahrweg richtig breit geworden und sachte schwingt das Schiff auf den Heckwellen des Gegenverkehrs. Das macht schon Spaß und ist beeindruckend, wie so ein 105 m-Schiff sich durchbiegen kann. Bei Düsseldorf stehen wir dann plötzlich im Stau. Eine Brücke wird gebaut und da darf´s nicht zu sehr schaukeln, wenn der Schwimmkran das neue Teil reinhebt, deshalb gibt´s nur Einbahnstraßenverkehr. Da fällt uns wieder auf, dass es auch auf den Wasserstraßen kleine Verkehrsrowdys gibt. Manchen wird die Wartezeit zu lange und unter den Augen der Wasserschutzpolizei, die nicht eingreift, schummeln sie sich nach vorne. Gut, dass Kapitän Scheubner holländisch kann, so kriege ich später noch synchron übersetzt, wie sich der Drängler bei seinem Kollegen über Funk damit brüstet, wie er das jetzt wieder hingekriegt hat. Eines habe ich während dieser Fahrt auch gelernt: Ärmere Holländer haben einen LKW mit Bett hinten drin, wohlhabendere, ein Auto mit Wohnanhänger und reichere, ein Hausboot mit
Frachtraum vorne dran. Einen Vorteil haben die Holländer ja: Irgendwie wird das Transportgewerbe im Benelux-Staat steuerlich einfach viel, viel besser gestellt als hierzulande; egal ob zu Wasser, zu Lande oder in der Luft. Dafür sind die Sichtverhältnisse schlechter und Landschaft am Rande der Flüsse, naja, nicht viel vorhanden.
Mit den Eindrücken der Rotterdamer Hafenanlagen verlasse ich das Schiff und reise zurück nach Hause. Diesmal mit dem Flieger, damit nichts schief geht.
Eines habe ich mir fest vorgenommen: Wenn ich mal die Ladung „T.n.W.“ an Bord habe, rufe ich die MSG an, damit wir vom Zielflughafen aus direkt in die „Jenny“ umladen können.
Damit grüße ich meine Gastgeber und wünsche ihnen immer das bisschen Wasser unterm Kiel, das ich an Luft unterm Flügel brauche, damit wir beide, Schiffer und Flieger, oben bleiben. 

Bis zum nächsten Mal, Euer Air-Busfahrer Andreas Milde

 
 


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