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Besonders an Wochenenden und in den Ferien fällt mir
auf, dass Schleusen von Menschen, speziell von
Familien mit Kindern, gut besucht werden. Jeder
beobachtet fasziniert, wie ein Schiff in die
Schleuse einfährt, schleust und dann ausfährt.
Bisher war es immer so gewesen, dass die Besucher
zur Schleusenkammer liefen, uns ansprachen und
wissen wollten, wo wir herkämen, was wir geladen
hätten und wo die Reise denn hinginge. Wir haben
immer gern Auskunft gegeben, konnten wir doch gleich
ein bisschen Reklame für einen Verkehrsträger
machen, der bei der Landbevölkerung wenig bekannt
ist. Wenn wir dann erzählt haben, dass unser Schiff
soviel wie 92 LKWs laden könne, war die Neugierde
der Leute kaum noch zu bremsen. „Wieso erfährt man
so wenig über Euch; wissen die Politiker von Eurer
Leistungsfähigkeit; warum wird so wenig für die
Schifffahrt getan?
Die Leute fragten uns oft ein Loch in den Bauch, und
wenn es passte, boten wir ihnen an, ein Stück oder
eine Haltung mitzufahren. Manche waren ein bisschen
misstrauisch: Auf einem Schiff mitfahren? Die
Schiffer sind doch irgendwie unbekannte Wesen,
ziehen von Ort zu Ort. „Habt Ihr überhaupt einen
festen Wohnsitz? Wascht Ihr Euch mit Flusswasser und
habt Ihr eigentlich eine Toilette an Bord?“ Diese
Fragen haben uns auf der einen Seite belustigt, auf
der anderen Seite aber auch wütend gemacht. Wieso
wissen die Leute an Land so wenig über Menschen, die
einen traditionellen Beruf haben, auf dem
umweltfreundlichsten Verkehrsträger arbeiten, und
eigentlich in aller Munde sein müssten?
Trotzdem hat uns das nie entmutigt, im Gegenteil! In
all unseren bisherigen Berufsjahren konnten wir so
immer gute Öffentlichkeitsarbeit leisten, die zudem
keinen Pfennig gekostet hat! Waren Kinder dabei,
schenkten wir ihnen einen Bischi, einen
Schiffsanstecker, oder ein Käppi der
„Arbeitsgemeinschaft der deutschen
Binnenschifffahrt“ und sie durften sich im
Steuerhaus mal auf den Stuhl des Kapitäns setzen;
für sie war es ein einmaliges Erlebnis! Darüber
wurde dann im Kindergarten oder in der Schule
berichtet und voller Stolz die kleinen Geschenke
gezeigt.
Die
Eltern waren von der Leistungsfähigkeit der
Binnenschifffahrt beeindruckt und versprachen, sich
im Familien- und Freundeskreis für uns stark zu
machen.
Diese Zeiten sind nun vorbei!
Seit 1 – 2 Jahren wird auf dem Main und dem
Main-Donau-Kanal so gut wie jede Schleuse
eingezäunt. Nun stehen die Schleusenbesucher in
respektvoller Entfernung hinter einem Zaun, recken
ihre Hälse, deuten, Väter heben Kinder auf ihre
Schultern und sehen Schifffahrt nur noch aus der
Ferne! Wir Schiffer fühlen uns wie in einem
großzügig angelegten, eingezäunten Gehege. Wir
dürfen nach wie vor bestaunt werden, aber bitte aus
einer sicheren Entfernung; uns auf keinem Fall zu
nahe kommen! Vielleicht wird man, aufgrund der
leeren Kassen der Verwaltungen, auch noch auf die
Idee kommen, dafür Eintritt zu verlangen, so wie im
Zoo! Natürlich wissen wir, dass wir eine vom
Aussterben bedrohte Spezies sind, unter Artenschutz
fallen und deshalb geschützt werden müssen. Aber
doch bitte nicht vor Menschen, die etwas über
Schifffahrt und Schiffer wissen wollen! Nun gehen
wir wieder Schritt für Schritt zurück. Sollte es
eventuell doch jemandem gelingen, bis zum Schiff
vorzudringen, dann wird er uns wie früher fragen,
ob wir unsere Kinder zur Schule schicken, ob wir
telefonieren können, ob und wie wir uns waschen,
usw. |