Flaschenpost Nr. 4
Dezember 2001             Jahrgang 6

Ein Traum geht in Erfüllung für Rudolf Furtner aus Linz
Mit 16 Jahren (1966) zog ich aus, um die Welt zu erobern. Ich fuhr bei der DDSG als Matrosenschüler auf den Zugschiffen „Pilach“, „Stubach“ und „Freudenau“ (heute Museumsschiff). Die meisten Reisen waren zwischen Regensburg – Linz – Wien – Budapest. Bei der Crew wurde ich gut aufgenommen. Ich lernte viel – auch Kameradschaft.

Manchmal kommt es jedoch anders als man denkt  . . .
Unser Bootsmann Charly hatte eine Freundin, die nahm eines Tages ihre Freundin Anni mit an Bord. Die Mädels sangen schöne Lieder und Schlager. Einmal gingen wir ein wenig spazieren. Anni ging neben mir, zuerst berührten sich unsere Hände nur ganz kurz, etwas später gingen wir Hand in Hand. Ein neues, mir bisher unbekanntes Gefühl, lernte ich kennen. Ich verliebte mich Hals über Kopf in Anni.

Einmal lag die „Freudenau“ kurz vor Passau und um meine Anni zu sehen, fuhr ich nachts per Autostopp nach Linz. Tags drauf musste mein Schiff auf mich warten. (Kapitän Heinrich Gruber gab mir eins über die Rübe!) Vor einer Russlandreise stieg ich von der „Freudenau“ aus. Im Jänner 1969 landete ich im Hafen der Ehe. Ein Stückerl von meinem Herzen blieb jedoch bei der Schifffahrt.

Kapitän Maier (Kapitän mit großem Herz)
Bei einem Spaziergang im Linzer Tankhafen sah ich die TMS „CAROLIN“ liegen. Von Kapitän Igor Derkasch (S. a. FLAPO 3/2001 „Wie ich an Bord gekommen bin“) bekam ich die Telefonnummer von Kapitän Maier. Ein Anruf genügte: Ich bin willkommen an Bord!
 

An Bord der „CAROLIN“
Ich durfte eine Reise (Linz-Bratislava-Linz) mitmachen. Ich durfte sogar in der Eignerkabine wohnen. Kapitän Maier sagte zu mir: „Der Kühlschrank ist voll; nimm Dir, was Du brauchst!“ Von der ukrainischen Besatzung wurde ich sehr freundlich aufgenommen.
Igor Derkasch (1. Kapitän) und Voleriy Bezulenko (2. Kapitän) wurden nicht müde und erklärten mir geduldig Radar, Echolot, Bugstrahl usw. (es hat sich manches verändert seit 1966) Voladymyr Karnishyn (Bootsmann) verwöhnte mit der ukrainischen Küche (er ist ein 1a-Küchenchef!)
Nach meiner Rückkehr besuchte ich Familie Maier an Bord der „CAROLIN“. Frau Maier sagte zu mir: „Hier an Bord, auf diesen 85m, sind wir eine Familie“.
Ich finde, auch hier gilt 100% wie man an Bord gerne sagt:

EINER FÜR ALLE - ALLE FÜR EINEN

Vielen Dank an Familie Maier und Crew. Vielleicht gibt es mal wieder ein Schiff, das einen Alt-Matrosenschüler mit an Bord nimmt?

 


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