Flaschenpost Nr. 4
Dezember 2001             Jahrgang 6

Asterix und Obelix und die Germanen
von Edmund Schmitt, einem Schifffahrtsfan von der Mosel

Es war im Jahre anno 1956, da machten die Nachfahren der Gallier mit den Germanen einen Vertrag. Ein schiffbarer Wasserweg sollte geschaffen werden – von der Nordsee bis nach Lothringen. Eine Wasserstrasse verringert nicht nur die Transportkosten, man tut auch etwas für die Umwelt. Ein Schiff braucht nicht nur weniger Energie, produziert weniger Abgase, es macht auch weniger Lärm, als die gleiche Gütermenge auf der Straße; also: Umweltschutz pur!
Die Mosel sollte ausgebaut werden. Sofort, nachdem die Häuptlinge beider Völker das beschlossen hatten, machten sich die Experten an die Arbeit. 3,5 Mio. Gütertonnen errechneten die germanischen Experten. Die Gallier meinten, 10,5 Mio. Tonnen wären richtig. Zum Glück setzten sich die Nachfahren von Asterix und Obelix durch! Sehr schnell wurde die Arbeit begonnen, da man nur wenige Häuptlinge hatte, aber viele Indianer. Nach nur 6 Jahren war die Wasserstraße fertig. Trotzdem aber ärgerten sich die Germanen über diese scheinbare Niederlage. So gut man konnte, bremste man das ganze Unternehmen während der Bauarbeiten aus. So benutzte man ab französischer Grenze ein gefälschtes Bandmaß, so dass auf germanischen Gebiet die Schleusen viel zu kurz wurden. Dieses sollte sich später einmal sehr rächen! Die damals scheinbar eingesparten Millionen musste man dann um ein Vielfaches wieder ausgeben.
Einige Jahre vergingen. Natürlich behielten die gallischen Experten Recht. Sehr schnell überstieg die jährliche Tonnage die 10 Mio. Grenze. Erst da erkannten die Germanen, wie sinnvoll doch so eine Wasserstrasse ist! Deshalb bauten sie auch die Saar zum Wasserweg aus. Inzwischen hatten man das richtige Bandmaß wieder gefunden, und die Saarschleusen hatten günstigere Abmessungen. 12 Mio. Gütertonnen hatte man für die Saar errechnet, ohne aber zu bedenken, dass die zu kleinen Schleusen an der Mosel, diese Tonnage völlig unmöglich machten. Somit war der Saarkanal nicht rentabel zu betreiben!
Auf der Mosel kam es immer öfters zu langen Verkehrsstaus an den Schleusen, zuerst nur in den Sommermonaten, wegen der Fahrgastschiffe, die man in der Berechnung total vergessen hatte, dann aber auch immer mehr in den Wintermonaten, zum Leidwesen der Binnenschiffer. Längst hatte die beförderte Gütermenge 16 Mio. Tonnen überschritten, Tendenz noch immer steigend!
Da kam man seitens der deutschen Häuptlinge auf eine geniale Idee: Man gibt die Frachttarife früher frei und schafft damit einfach die deutsche Binnenschifffahrt ab! Das löst vielleicht das Problem!?  Man hat es auch fast geschafft, aber trotzdem wurden die Staus an den Schleusen immer länger. Dann erkannte man anno 1988, dass man doch etwas tun müsse. Man beschloss, die Mosel tiefer zu legen. Das löst zwar nicht das Problem, aber man tut etwas und billig ist es auch.

Endlich im Jahr 1992 beschlossen die großen Führer der Germanen, im Bundesverkehrswegeplan den Bau neuer Schleusen an der Mosel. So schnell wie anno 1956 geht aber leider nichts mehr!   Scheinbar hat man auch wieder das richtige
Bandmaß versteckt, denn die von den Häuptlingen angegebenen Schleusenabmessungen sind wieder einmal zu kurz und ungünstig, da sie die Schifffahrt in Zukunft mehr behindern als nutzen, und teuere Nachrüstungen wieder die Folge sind. Leider hat es auch nur noch wenige Indianer aber viele Häuptlinge. So begnügt man sich immer mehr mit Ausreden wie, es ist kein Geld da, oder man braucht noch mehrere Gutachten. So jagt ein teueres Gutachten das andere und immer gibt es neue Wirtschaftlichkeitsberechnungen. Leider hat sich bis heute noch keine Schaufel bewegt. Die Planungen sind jetzt schon doppelt so lang wie anno 1956 die gesamte Bauzeit.

Da staunen selbst Asterix und Obelix!

 

 
 

Die Binnenschifffahrt – von Kerstin Ahlers-Stylianou 

Es treibt der Kahn, bei Regen oder Sonnenschein
auf dem Wasser von Donau, Mosel, Main und Rhein.
Mit voller Ladung und langsamer Fahrt,
ohne Pause – das ist hart! 

Öl und Kohle bringt man fort
zieht vorbei an Stadt und Ort.
Industrie dampft oft anbei,
doch grüßt einen auch die Loreley. 

Manchmal sind Kinder mit von der Partie
hin und wieder steht am Steuer auch ´ne „Sie“.
Ein Transport von ganz besond´rer Art
ist dies – die Binnenschifffahrt!

 


Worüber wir uns große Sorgen machen . . .

Im November 2001 haben sich innerhalb von wenigen Tagen mehrere Havarien mit Schubverbänden einer Regensburger Reederei auf dem Main und dem Rhein ereignet. Fast täglich konnte man in Zeitungen darüber lesen, über Radio und Fernsehen wurde der Bürger selbst in der entferntesten Ecke Deutschlands, außerdem weltweit übers Internet, über die Havarien informiert.
Nicht nur, dass der gute Ruf der Binnenschifffahrt, nämlich der sicherste und umweltfreundlichste Verkehrsträger zu sein, ins Wanken gerät, wir bekommen es inzwischen mit der Angst zu tun, wenn wir nur ein Schiff dieser Firma in unserem Fahrbereich wissen!
Bis zum heutigen Tag  sind immer „nur“ Sachschäden entstanden;  nicht auszudenken, wenn es zu einer Umweltkatastrophe käme, Menschen dabei verletzt oder gar getötet werden würden . . .
Wann wachen die zuständigen Leute endlich auf?

 

 


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