Flaschenpost Nr. 4
Dezember 2001             Jahrgang 6

Bericht von einer Vorort-Recherche über die Binnenschifffahrt (Teil 2)
Fortsetzung aus der FLASCHENPOST Nr. 3/2001

Der nächste Tag bietet landschaftlich wenig Reizvolles. Holland ist vor allem flach und hat Windmühlen. Badende und picknickende Familien säumen die Ufer. Ab und zu kühlt sich eine Kuh die Beine im Wasser. Ich habe das Gefühl, schon ganz lange an Bord zu sein. Nun habe ich mich also eingereiht in die bunte Abfolge von Gästen auf der MS „JENNY“. Künstler, Winzer, Airbus-Kapitäne, Filmemacher und Lokalpolitiker bewohnten vor mir die Gästewohnung. Auch Paare auf der Suche nach einem Liebesnest sind schon mitgeschippert. Selbst panische Angst vor Wasser oder eingeschränkte Beweglichkeit aufgrund körperlicher Gebrechen hält wahre Liebhaber der Schifffahrt nicht davon ab, auf der „JENNY“ mitzufahren. Die liebsten Gäste seien diejenigen, die noch wenig über die Binnenschifffahrt wissen und viele Fragen stellen, sagen Scheubners, denen es Spaß macht, aus ihrem Leben und ihrem Beruf zu erzählen.
Am Abend erreichen wir Antwerpen. Ich bin beeindruckt von der nächtlichen Szenerie der riesigen Hafenanlagen.
Am nächsten Nachmittag liegen wir noch immer im Hafen von Antwerpen. Es kann noch einige Tage dauern, bis die Ladung gelöscht wird. Es ist ein bisschen diesig, die Sonne brennt und mir fehlt der Fahrtwind. Bei einer Temperatur von 32° ist es einfach zu warm, um meinen Platz im Liegestuhl am Bug des Schiffes einzunehmen. Karin Scheubner fragt, ob ich Lust auf eine Partie Scrabble habe. Na klar! Im Verlauf des Spieles stelle ich fest, dass ich völlig aus der Übung bin und gegen meine Mitspielerin keine Chance habe. Meine Strategie ist nichts wert: Ich bemühe mich, schöne originelle Wörter zu bilden und scheitere immer wieder an einem einzigen fehlenden Buchstaben. Inzwischen habe ich mir selber ein Scrabble zugelegt und jetzt wird trainiert, damit „Ö“, „Y“ und „Q“ nur noch auf Feldern mit doppeltem oder dreifachem Buchstabenwert landen!
Neben der richtigen Scrabblestrategie bereitet mir auch die Abkürzung „T.n.W.“, die in vergangenen Reiseberichten auftaucht, und Albrecht Scheubners Traumfracht umschreibt, Kopfzerbrechen. Nach reiflicher Überlegung komme ich zu dem Schluss, dass es sich dabei wohl um „
Total nette Winzer“ handelt. Aber genau weiß ich es nicht.
Am nächsten Tag heißt es Abschiednehmen. Karin und Albrecht bringen mich in Antwerpen zum Bahnhof. Ich staune, wie lange wir doch durch Hafengelände fahren, bis wir endlich in der City sind. Wo ich nun schon mal in Belgien bin, will ich es mir nicht nehmen lassen, die berühmten Pommes Frites zu probieren. Die sind auch sehr lecker – nur die Currywurst dazu hätte ich mir sparen können. Ich verbringe noch ein paar Stunden in Antwerpen und fahre dann glücklich und zufrieden wieder nach Bremen, wo mich mein Freund und unser Kater schon sehnsüchtig erwarten.
Während meiner Reise habe ich viel über die Binnenschifffahrt gelernt, schöne Landschaften und gute Verpflegung genossen und eifrig Notizen für meine Reportage gemacht. Wenn der 2. Teil meines Reiseberichtes in der FLASCHENPOST erscheint, wird meine Abschlussarbeit bereits gelesen und bewertet sein. Meine Gastgeber Karin und Albrecht Scheubner bekommen von mir auf alle Fälle die Note „1+ mit Sternchen“ und ich bedanke mich für vier wunderschöne, interessante und lehrreiche Tage auf der MS „JENNY“.

Gabriele Schindler, Bremen, E-Mail: gabi.schindler@gmx.de

 

Logo half der Polizei

Vergangene Tage wurde bei unserer Schwiegertochter eingebrochen. Papiere, Schlüssel, Scheckkarten und einiges mehr, alles weg!

Die Polizei hatte so ihre Vermutungen und fasste zwei junge Männer. Zu-nächst wurde bei ihnen nichts von den vermissten Dingen gefunden, nur ein kleines Feuerzeug. Doch gerade das war das Pech der beiden Diebe, dass sie es hatten mitgehen lassen. Auf dem Feuerzeug war nämlich das Logo von uns „Frauen in der Binnenschifffahrt“.

Ein gutes Beweismittel!

Beide Berichte von:
Sigrid Thünen,

MS „FRANK-DIETER“

Der Main als Werbeträger

Es erwischte uns ganz unvorbereitet in einer der vielen Mainschleusen. Bei der Ausfahrt (zu Tal) gab es ein komisches Geräusch im Hinterschiff. Die Düse hatte wohl ein Reibholz oder Tau verschluckt, irgendwie schlurfend, bollernd hörte es sich an. Im freien Wasser des Mains wurden alle Anstrengungen unternommen, den Gegenstand heraus zu bekommen. Doch alle Mühe war vergebens, die Maschine kam nicht mehr auf Touren, der Gegenstand wollte nicht heraus. Wir verloren den Anschluss an unseren Vordermann und dieser lästerte, unser Schiff sei eine lahme Krücke. Es half also alles nichts, ein Taucher musste her! Dieser sah sich dann unter Wasser die Bescherung an. Wir warteten gespannt, was für ein Übeltäter gefunden würde. Verschmitzt berichtete der Taucher, dass er einen Teppich gefunden habe, und sogar das Schild von „Ikea“ sei noch dran. Nachdem das gute Stück achtern an Deck gehievt worden war, besah ich mir diesen „Teppich“ genauer. Nach Teppich sah es gewiss nicht mehr aus, eher wie ein überdimensionales Knäuel aus Bouclè-Wolle.

Bei der nächsten Bergfahrt auf dem Main wurde an besagter Schleuse freundlich nach- gefragt, ob nichts vermisst würde. Nein, dort wurde nichts vermisst! „Doch, doch“, kam es von uns, „unsere Düse hat einen Teppich aus dieser Schleuse aufgesaugt und das Schild von „Ikea“ war auch noch dran gewesen!“  „Tja“, meinte da der Schleusen-bedienstete lachend, „nun habt Ihr selbst erlebt, wie der Main sogar unter Wasser Reklame für „Ikea“ macht!“

 


 


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