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Natürlich haben
wir Kinder das Gebot missachtet, dass Bobby
nicht in die Roof durfte. Wir brauchten ihn ja
nur geschickt einzuschleusen. Wenn draußen
schlechtes Wetter war, oder Kohlen geladen
wurden, oder abgewaschen wurde, war unser
zugewiesenes Exil der Achterunter. *) Hier
konnten wir spielen, ohne dass man uns
beaufsichtigen musste.
Um in den Achterunter zu kommen musste man
durch die Schlafkammer der Roof, durch eine
Schiebetür mit einer wunderschön geätzten
Scheibe mit Jugendstil-Blumendekor. (Ich habe
die Scheibe noch!) In der Schlafkammer hing
ein gerahmter Spruch: „Hab‘ Sonne im Herzen
und Zwiebel im Bauch, da kann man gut scherzen
und Luft hat man auch.“ Und so roch es da
auch. (Ich erinnere mich heut‘ noch an den
Geruch.)
Eine steile Treppe hinunter - die man
rückwärts gehen sollte - kam man in den
Achterunter. Dort gab es einen „großen“ Raum,
mit rundherum eingebauten Schränken. Die Mitte
des Achterunters dämmerig erhellt durch ein
Oberlicht, bot reichlich Platz zum Spielen.
Von den Schränken in der Seitenverschalung
waren zwei als Schrankbetten eingerichtet. Wir
fanden sie riesig. Das eine Schrankbett war
als Kleiderablage genutzt, das andere war
unsere Schlafstätte. (Wir wurden zwar später
auf zwei Schränke verteilt, aber das war zu
spät, wir wußten dann schon ausreichend genau,
was man von Buben und Mädchen wissen musste.)
So lang ist das her: wir mussten damals noch
unser Mittagsschläfchen machen, wie im
Kindergarten. Zum Empören: Dabei waren doch
Ferien! Also suchten wir heimlich eine
„sinnvolle“ Beschäftigung: wir schleusten
Bobby ein, und spielten Zollfahndung.
Die Schränke im Achterunter waren
geheimnisvoll mit allem möglichen
Schiffsmaterial geladen, Petroleum, Farbe,
Tauwerk, Mennige, Flaggen, Laternen, Werkzeug,
rostige Nägel, ölige Schrauben, alter Gummi,
Dämmselmaterial, Speck, Ölzeug, Leckkleid,
Angelzeug, Netzsäcke, Büchsenwurst,
Schwarzmarkt-Ware ...
Unter dem Fußboden
in der Bilge, durch eine Bodenluke zugänglich,
war noch Stauraum, so weit man sehen konnte,
für Kartoffeln, Gemüse, Apfelwein und Rhenser
Wasser (mit dem Schraubstopfen).
Öffnete man die
Schranktüre Steuerbord achtern in der Ecke –
stand man vor paar steilen Stufen – und oben
war der Abort. Er hatte ein Oberlicht, das man
in der Höhe für den Kopf brauchte, wenn man
auf dem Trichter saß. (Wir Kinder natürlich
nicht.) - .....und zur Entlüftung natürlich
auch. Eine große braune Email-Kanne zum Spülen
musste ständig gefüllt gehalten werden. Es war
mein Ferienjob, sie bei jeder sich bietenden
Gelegenheit draußen mit dem Schöpfeimer zu
füllen und wieder hinunter zu schleppen.
Ebenso musste der Nagel für die
Zeitungszuschnitte stets ausreichend bestückt
sein. (Kultur im Endstadium!)
So, und nun stelle man sich die zuletzt
gelesenen Absätze einmal vor – wie es der
Maler mit Farben tun würde, der Musiker mit
Tönen – jetzt aber einmal empfunden mit den
feinen Sinnen einer Hundeschnauze. Es war der
helle Wahnsinn. Eine Symphonie, eine ganze
Wagneroper von Wohlgerüchen! Einfach der
Hundehimmel auf Erden! Bobby trippelte und
wieselte ganz aufgeregt, schien gar verrückt
werden zu wollen. Er wurde aber bei der
hektischen Wühlerei und Schnüffelei eigentlich
nur furchtbar dreckig und sammelte einen
Schatz von Geruchserinnerungen zum
Nachträumen. Damit musste er sich zufrieden
geben, weil er ja für diesen Himmel kein
gültiges Visum hatte.
Als Zollfahnder fand Bobby leider keine
geschmuggelte holländische Schokolade. Nur
Hühnerfutter und ein ganzes herrliches
Bergwerk voll Briketts.
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