Flaschenpost Nr. 3
September 2002            Jahrgang 7

Bobby  Von Klaus Schmitt

 

Wie das Hundeleben abenteuerlich wurde

Bobby wurde kein Spitz, wie es versprochen worden war. Es war offensichtlich irgend ein Schnauzer mit im Spiel gewesen, aber das tat der Hundeseele keinen Abbruch. Im Gegenteil, er war nie so giftig, wie man es dem Spitz nachsagt. Er hat natürlich gekläfft und geknurrt und die „MAINPERLE“ verteidigt gegen Zollbeamte, Wasserschutz, Eichmeister, Steuerleute, sogar gegen die Hühner, die im Herft untergebracht waren und ab und zu Freigang an Land hatten.
B
obby lebte fortan in einer schönen Hundehütte aus neuen Staudielen gezimmert und mit Kohlteer schick konserviert. Die Hütte stand etwas geschützt unter dem Steuerstuhl *). Aber außer diesem Schutz gab es auch im Winter keine Verweichlichung für einen echten Schiffshund, der er ja nun mal werden sollte.
In dieser Karriere gab es allerdings einen Knick: Bobby wurde wasserscheu. Als er einmal sein Schiff gegen eine vorbeitreibende tote Ente verteidigte, kam er mit Kläffen und Hin- und Herrennen so in Wut, weil dieses Entenvieh derart arrogant jegliche Reaktion vermissen ließ, daß er – plumps und verstummend – ins Wasser fiel. Er wußte zwar dann, daß er schwimmen konnte, er kam aber dann nicht mehr alleine auf’s Gangbord hoch und das führte zu einem Trauma.
Um dennoch etwas aus ihm zu machen, wurde er von mir als „Schiffsjunge“ auf „meinem“ Nachen angeheuert. Und das gefiel ihm sehr. Schnell hatte er die Erfahrung gemacht, daß wir bei jeder Gelegenheit auf Hafenrundfahrt gingen, ins Schilf fuhren, auf große Abenteuerfahrt in die Bürgstadter Kiesgrube fuhren, oder auf „Südseefahrt“ zu den Laudenbacher Inseln.
Kaum machte ich mir achtern am Kranbalken zu schaffen, um den Nachen herunter zu lassen, wieselte er schon auf der Quadrantabdeckung hin und her, und schwups, saß er schon auf der Nachenstrau und wartete darauf, daß es los ginge. An Land zu kommen, das wurde seine sehnlichste Leidenschaft. Nicht daß er weglaufen wollte, er hatte schon Treue zu seinem Schiff. Aber ein flotter Landgang, mit neuen Schüffelerfahrungen ließ stets sein struppiges Hundeherz höher schlagen. Standesgemäß wie ein herumkommender Seemann suchte er alle düsteren Löcher auf, verwühlte und verbellte sie, machte den dicken Molli und ...konnte nicht zahlen. Mit fröhlichen Sprüngen kam er hechelnd zwischendurch wieder angerannt, den Schnauzbart verdreckt, der Schwanz wollte sich bald selbständig machen, das Gekläffe voll wichtiger Neuigkeiten und diese munteren, glückstrahlenden Hundeaugen! Ich sehe sie noch heute.
G
anz toll war es, Robinson zu spielen. Er war dann Freitag und brachte pausenlos Bauholz. Das war allerdings unbrauchbar für den Floßbau. Ich habe ihm das aber höflicherweise nie gesagt. Denn eigentlich benötigte man richtiges Grubenholz dafür. Gelegentlich hatten wir ja reichlich davon. Da wurden dann reichlich Reibhölzer daraus gemacht. (Erst viel später wurde mir klar, daß die runden Grubenhölzer nicht so gut waren - weil sie halt schnell platzten -, wie die vierkanten „gekauften“, die man an der Ruhr von Reedereischiffen „günstig kriegen“ konnte.)
Bobby wußte aber nichts von den Holzqualitäten, er war nur ständig auf Lebensrettung aus. Er hätte auch ein guter Bernhardiner werden können. (Wir wissen ja nicht, was alles genetisch in ihm steckte.) Nur fischen wollte er nicht. (Da war jenes Trauma.) Also mußten wir auf große Fahrt eigenen Proviant mitnehmen. Und einmal hatten wir Siedewürstchen dabei, konnten auch Feuer machen, weil man das zum Sieden braucht, hatten aber kein Frischwasser dabei. Notgedrungen haben wir die Würstchen in Apfelwein gekocht. Bobby fand nichts Greusliges dabei. Die Robinsonade hatte uns ein neues Rezept beschert, und alle waren glücklich, wie Abenteurer halt so sind.

 

*) Steuerstuhl

Wer heute nicht mehr weiß was das ist:

Das ist nicht der Stuhl, auf dem der Steuermann sitzt. Das war früher, als man noch den liegenden Haspel hatte, eine kreisrunde Bühne um diesen liegenden Haspel herum, aufgeständert etwa 1m über Deck, so daß man über die Roof und die Küche hinweg gucken konnte, rundherum mit einer etwa 800 mm hohen Blechschanz umfaßt die mit Türen versehen war. Auf der Oberkante dieser Schanz konnte ein Blechschirm rundherum geschoben werden, als Regen- und Sonnenschutz. Der Holzboden war mit Trittleisten versehen, gegen die man sich stützen konnte, wenn man sich mit aller Kraft gegen die Speichen des Haspels stemmte

 


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