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Bobby
Von Klaus Schmitt
Wie das Hundeleben
abenteuerlich wurde
Bobby wurde kein Spitz, wie es versprochen
worden war. Es war offensichtlich irgend ein
Schnauzer mit im Spiel gewesen, aber das tat
der Hundeseele keinen Abbruch. Im Gegenteil,
er war nie so giftig, wie man es dem Spitz
nachsagt. Er hat natürlich gekläfft und
geknurrt und die „MAINPERLE“ verteidigt gegen
Zollbeamte, Wasserschutz, Eichmeister,
Steuerleute, sogar gegen die Hühner, die im
Herft untergebracht waren und ab und zu
Freigang an Land hatten.
Bobby
lebte fortan in einer schönen Hundehütte aus
neuen Staudielen gezimmert und mit Kohlteer
schick konserviert. Die Hütte stand etwas
geschützt unter dem Steuerstuhl *). Aber außer
diesem Schutz gab es auch im Winter keine
Verweichlichung für einen echten Schiffshund,
der er ja nun mal werden sollte.
In
dieser Karriere gab es allerdings einen Knick:
Bobby wurde wasserscheu. Als er einmal sein
Schiff gegen eine vorbeitreibende tote Ente
verteidigte, kam er mit Kläffen und Hin- und
Herrennen so in Wut, weil dieses Entenvieh
derart arrogant jegliche Reaktion vermissen
ließ, daß er – plumps und verstummend – ins
Wasser fiel. Er wußte zwar dann, daß er
schwimmen konnte, er kam aber dann nicht mehr
alleine auf’s Gangbord hoch und das führte zu
einem Trauma.
Um
dennoch etwas aus ihm zu machen, wurde er von
mir als „Schiffsjunge“ auf „meinem“ Nachen
angeheuert. Und das gefiel ihm sehr. Schnell
hatte er die Erfahrung gemacht, daß wir bei
jeder Gelegenheit auf Hafenrundfahrt gingen,
ins Schilf fuhren, auf große Abenteuerfahrt in
die Bürgstadter Kiesgrube fuhren, oder auf
„Südseefahrt“ zu den Laudenbacher Inseln.
Kaum
machte ich mir achtern am Kranbalken zu
schaffen, um den Nachen herunter zu lassen,
wieselte er schon auf der Quadrantabdeckung
hin und her, und schwups, saß er schon auf der
Nachenstrau und wartete darauf, daß es los
ginge. An Land zu kommen, das wurde seine
sehnlichste Leidenschaft. Nicht daß er
weglaufen wollte, er hatte schon Treue zu
seinem Schiff. Aber ein flotter Landgang, mit
neuen Schüffelerfahrungen ließ stets sein
struppiges Hundeherz höher schlagen.
Standesgemäß wie ein herumkommender Seemann
suchte er alle düsteren Löcher auf, verwühlte
und verbellte sie, machte den dicken Molli und
...konnte nicht zahlen. Mit fröhlichen
Sprüngen kam er hechelnd zwischendurch wieder
angerannt, den Schnauzbart verdreckt, der
Schwanz wollte sich bald selbständig machen,
das Gekläffe voll wichtiger Neuigkeiten und
diese munteren, glückstrahlenden Hundeaugen!
Ich sehe sie noch heute.
Ganz
toll war es, Robinson zu spielen. Er war dann
Freitag und brachte pausenlos Bauholz. Das war
allerdings unbrauchbar für den Floßbau. Ich
habe ihm das aber höflicherweise nie gesagt.
Denn eigentlich benötigte man richtiges
Grubenholz dafür. Gelegentlich hatten wir ja
reichlich davon. Da wurden dann reichlich
Reibhölzer daraus gemacht. (Erst viel später
wurde mir klar, daß die runden Grubenhölzer
nicht so gut waren - weil sie halt schnell
platzten -, wie die vierkanten „gekauften“,
die man an der Ruhr von Reedereischiffen
„günstig kriegen“ konnte.)
Bobby
wußte aber nichts von den Holzqualitäten, er
war nur ständig auf Lebensrettung aus. Er
hätte auch ein guter Bernhardiner werden
können. (Wir wissen ja nicht, was alles
genetisch in ihm steckte.)
Nur
fischen wollte er nicht. (Da war jenes
Trauma.) Also mußten wir auf große Fahrt
eigenen Proviant mitnehmen. Und einmal hatten
wir Siedewürstchen dabei, konnten auch Feuer
machen, weil man das zum Sieden braucht,
hatten aber kein Frischwasser dabei.
Notgedrungen haben wir die Würstchen in
Apfelwein gekocht. Bobby fand nichts
Greusliges dabei. Die Robinsonade hatte uns
ein neues Rezept beschert, und alle waren
glücklich, wie Abenteurer halt so sind.
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