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Bergfahrt im Schleppzug. Irgendwo auf Strom,
sagen wir mal am „Guten Mann“. Gerade hatten
wir nach stundenlanger, zäher Anstrengung
einen anderen Schleppzug überholt. „Wir“, das
war natürlich das Verdienst unserer Räderboot.
Die MAINPERLE mit ihren 372 Tonnen und dem
dicken, holländischen Kopf hing wie immer auf
Nummer letzt. !
Unser Lukendach war zugedeckt. Eigentlich ein
schöner Spielplatz, aber wegen der Dachneigung
nicht ganz ungefährlich, und Gangbordgeländer
hat die BSBG
(Binnenschifffahrts-Berufsgenossenschaft) erst
viel später vorgeschrieben.
In der heiteren Mittagssonne war alles recht
lustig und Bobby flitzte unentwegt auf dem
Dach hin und her, weil ich ihm Kachelhölzchen
warf. Es war eine seiner Leidenschaften,
geworfenen Kachelhölzchen nachzujagen und sie
wieder zu bringen. (Das adelsmäßige
„Apportieren“ wäre für Bobby nicht der
richtige Ausdruck gewesen.) Und mit diesem
ständigen sportlichen Hin und Her war er mit
sich steigerndem Eifer und voll Besessenheit
beschäftigt, flitzte immer schneller, wurde
immer aufgeregter, und da ---- bei
Aufschnappen eines Kachelhölzchens in einer
meisterhaften, piruettenartigen Wende kugelte
er herum, verlor mit den Krallen den Halt auf
dem geneigten, doch zu glatten Lukendach,
rollte abwärts ohne etwas Hemmendes zu finden
– und fiel ins Wasser. Platsch!
Während der Fahrt! - Im Schleppzug! -
Aus!
Ach, was gab das ein Jammern und Gezeter auf
der MAINPERLE, aber Hilfe gab es keine. Einsam
schwamm Bobby voller Lebensangst und ohne
Orientierung im breiten Rheinstrom zu Tal.
Unsere Fahrt ging nach Dampfbootsgesetz
einfach weiter, wir konnten nichts anderes
tun, als nach ihm Ausschau halten. Und ach,
auch das noch, die Räderboot, die wir gerade
überholt hatten, dampfte in seinem
Schwimmkurs. Er trieb geradewegs auf den
Backbord-Radkasten zu. Das sollte das Ende
sein.
Nein,
sieh da, er bemerkte instinktiv die Gefahr und
paddelte irgendwie, von Todesangst getrieben,
drum herum, geriet in die Wellen hinter dem
Rad – und schwamm tatsächlich noch immer.
Mit dem Glas
konnten wir sehen, daß auf einem der Anhänge
die Tragödie erkannt wurde und daß ein
beherzter Matrose mit dem Nachen (Rettungsboot
an Bord) während der Fahrt heraus fuhr, Bobby
rettete und dann auf dem nächsten Anhang
auskam. Verdammt gefährlich, denn es war auf
Backbord wo die Schleppstränge liefen. (Damals
hatte man noch gelernt, Nachen zu fahren)
Das
war also die Rettung. Wir mußten dann nur am
Feierabend, als die Schleppzüge vor Anker
lagen – man entfernte sich ja im Schleppzug
nicht weit voneinander – noch mit unserer
Schlupp *) das Stück zu Tal fahren und konnten
unseren Bobby wieder abholen. Ein Glück!
Nun
mußte ich natürlich eine Rettungsprämie an den
Matrosen zahlen. Es waren 2,30 Mark, die ich
besaß, und die hatte ich mir mühsam
erarbeitet, indem ich an jeder Schleuse in die
Schlupp klettern mußte, um den Motor
abzustellen und wieder anzulassen. Das war
nicht einfach, weil das Anlasserritzel von
Hand in den Schwungrad-Zahnkranz ein- und bei
laufendem Motor wieder ausgeschwenkt werden
mußte. Für diese Expertentätigkeit bekam ich
pro Schleuse 10 Pfennig.
Und
da waren er nun hin, der Lohn für eine ganze
Bergreise auf dem Main. Aber Bobby war wieder
da, und alle freuten sich. |