Flaschenpost Nr. 1
März 2003                   Jahrgang 8

Impressionen Schifffahrtsmesse „AHOY“ November 2002

5 Tage Messe in Rotterdam. Öffnungszeiten täglich von 12.00 h bis 22.00 h, am Samstag von 10.00 h bis 17.00 h. Das ist Frondienst!

Dienstag: Heute ist augenscheinlich Seniorentag. Ergraut, müde und schweren Schrittes kämpfen sich altgediente Binnenschiffer durch die Messehallen. Bepackt mit Stofftüten, Prospekten und „Gift-aways“ aller Art schleppen sich die Interessenten durch die „Wandelgänge“. Alles ist laut, hektisch, modern. Bei den Ausstellern sind viele „Altbekannte“ durch den Nachwuchs ersetzt, die noch fremd sind. Messestände aus dem Ausland – man befürchtet Sprachschwierigkeiten. Die aktiven Binnenschiffer haben an einem Dienstag keine Zeit auf einer Messe zu vertändeln. Mit viel Glück klappt´s zum Wochenende.

Mittwoch: Im Gegensatz zu gestern erscheint heute geballt der Nachwuchs auf dem Gelände. So recht ist das Interesse an Schiffen nebst Zubehör noch nicht das Ausschlaggebende. Die oft einzige Frage ist die nach Reklameartikel, Kugelschreiber, Baseball-Mützen, Feuerzeuge. Aber man ist nicht wählerisch, es wird genommen was da ist, und wenn es der Zucker für die „Tasse Kaffee“ ist. Hauptsache, es ist umsonst.

Donnerstag: Aha, der eine oder andere Binnenschiffer hat nun doch die Möglichkeit gefunden, sich über die Neuigkeiten in der Schifffahrt zu interessieren. Mancher erschrickt über die neuen Teuro-Preise, die sich mittlerweile auch in der Industrie finden lassen. Nicht nur die Kiwi hat sich von 39 Pfennig auf 39 Cent verteuert. Wehmütig erinnert man sich an die Sonderangebote im Jahr 2000.
Auch den Aussteller treffen die Hotel- und Gastronomiepreise außerordentlich. Parkgebühren pro Auto – 1x tagsüber – 1x in der Nacht im Hotel – belaufen sich auf 15,-- Euro täglich. Mitten in der Nacht mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch Rotterdam ist auch nicht so verlockend, dass man auf das Auto verzichten möchte.

Freitag: Jetzt geht es endlich richtig zur Sache. An etlichen Messeständen spielt Musik, Lautsprecher dröhnen, der Geräuschpegel steigt mit jeder weiteren Stunde. Ganze Trupps von Kollegen haben sich zusammen gefunden und holen sich ihre Informationen über die neuesten Kommunikationsmöglichkeiten, Katalysatoren, Düsen usw. von den Anbietern. Im Messerestaurant sind alle Plätze besetzt. Heute reichen 10 Stunden Öffnungszeit nicht aus. Das Angebot ist riesig und alles zu sehen ist ein Ding der Unmöglichkeit. Der Mief, die Hitze, die Lautstärke in den Messehallen und die Überfüllung der Messestände sind eine zusätzliche Zumutung. Voll gepackt mit Tüten, Kalendern, Prospekten, Schirmen und allerlei anderem, ist ein Messebesuch wirklich kein Vergnügen, sondern absoluter Stress. Und am Ende stellt man fest, dass man wieder einmal nicht alles gesehen hat.

Samstag: 3, 4, 5 Stunden Autofahrt werden in Kauf genommen, um eine  halbe Stunde vor Öffnung vor dem Parkplatz im Stau zu stehen. Die Parkwächter sind unfreundlich und überfordert. Von allen Seiten strömen die Besucher bei. Jeder ist ungehalten und niemand hat Zeit. Auf zum letzten Großkampftag! Der Ansturm ist heute enorm. Nach vier Tagen Standarbeit sind auch die Aussteller müde und freuen sich, dass der letzte Tag angebrochen ist. Ab 16.00 Uhr merkt man langsam, dass die Besuchermenge sich verringert und das Einpacken an den Messeständen kann beginnen. Ab 17.00 Uhr wird fieberhaft verstaut, gestapelt, weggeschleppt. Die Teppichböden werden auseinander gerissen, Dekorationen verschwinden, Blumen, Kisten, Kartons werden hinaus getragen, denn am nächsten Tag sind neue Aussteller in den Messehallen.

Sehen wir uns alle wieder im Jahr 2003 in Duisburg bei der DSM oder erst wieder  2004 in Rotterdam?

Tschüss, gute Geschäfte und macht´s gut.

Petronella Jacobs

 


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