Flaschenpost Nr. 3
September 2003            Jahrgang 8

Berliner Jungs an Bord

Mein ehemaliger Chef, Harald Balzereit, MS „HANSEAT“, kommt vom Büro. Er sieht mein fragendes Gesicht und gibt die erhoffte Antwort: „Kohle für Berlin“. Ich jubele, denn das bedeutet auch: Treffen mit lieben Verwandten und lieben Freunden.

Wir laden im Rheinpreußenhafen Homberg, löschen in Berlin-Charlottenburg, waschen das Schiff ab, haben Feierabend.
Ich bin kaputt, aber froh. Die Reise war gut – nichts Außergewöhnliches war passiert.
Ich liebe dieses Schifferleben.
Zeitiges Aufstehen, durch die morgendliche Natur fahren, aufgehende Sonne, dampfendes Wasser, Vogelgezwitscher, Blasshühner, Enten, Gänse, Schwäne auf dem Wasser, in der Luft.
Die Geräusche, die Stille, die tägliche Arbeit an Bord, die Maschine, der Haushalt, das Planen, die Schiffsbegegnungen mit Freunden, das Grüßen, Winken, Reden über Funk.
Der Ärger gehört dazu – im Büro, an Schleusen, an Lade- und Löschstellen, an Liegestellen, an Bau- und Engstellen. Doch der vergeht, und überwiegend bleibt das Gute in Erinnerung.
Ich bin wirklich glücklich und dankbar. Ich habe an Bord meinen Platz, ich bin wichtig, denn ohne mich geht es nicht – so fühle ich mich jedenfalls.
In diese zufriedene Stimmung hinein kommen meine Gäste: Birgit mit ihren beiden Söhnen Robby, 10 Jahre und Basti, 8 Jahre alt. Ich zeige ihnen „mein“ Schiff, und zwar gründlich, mit recht ausführlichen Kommentaren. Wir steigen in den Maschinenraum, in den Bugstrahlraum, in fast jedes Herft, in meine Wohnung vorn, später in die Wohnung des Eigners mit der dazugehörenden geheimnisvollen „Luke 18“, dann ins Steuerhaus. Jeder sitzt mal auf dem Steuerstuhl, versucht an die Armaturen zu kommen. Sie finden alles riesig dufte und stellen richtig gute Fragen. Es ist eine Freude auf beiden Seiten.
Und dann kommt endlich Harald, der Eigner des Schiffes, Schiffer in 6. Generation. Er wird sofort von den Jungs in Beschlag genommen und mit dem treuesten, kindlichen Augenaufschlag fragt Basti:

„Und was machst Du?“

Brigitte Stein, TMS „BIBERACH“

 

 


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