Flaschenpost Nr. 3
September 2003            Jahrgang 8

            BUCHTIPP


Ich habe sie geliebt
von Anna Gavalda

Ihren Einstand in der Literaturszene gab die Französin vor zwei Jahren mit einem Erzählband und erntete heftiges Lob für ihre witzig–ironischen Geschichten um Liebe, Leid und Frauenpower. Nun hat sie ihren ersten Roman geschrieben und wieder steht eine junge Frau am Wendepunkt ihres Lebens. Selbstironisch lässt Anna Gavalda die junge Frau von enttäuschten Hoffnungen und verlorenen Träumen erzählen. Doch ihr Roman ist mehr als die übliche heiter–ironische Frauengeschichte über zerbrochenes Glück und enttäuschte Liebe. Es ist vielmehr ein äußerst kluges Buch über das Funktionieren und Nicht-Funktionieren moderner Beziehungen, um den Mut zu gehen- oder zu bleiben.
Chloé, Mutter von zwei Kindern, wurde gerade von ihrem Mann verlassen. Chloés Schwiegervater fährt in dieser schwierigen Situation mit ihr ein paar Tage aufs Land und erzählt der Schwiegertochter, wie er einst aus Feigheit die Liebe seines Lebens verspielte. Anders als dem Sohn fehlte ihm damals der Mut„ alles kaputt zu schlagen, alles zu verwüsten“. „Also klappt es nie mit der Liebe?“ fragt Chloe gegen Ende des Buches. „Doch es klappt“ antwortet der alte Herr. „ Aber man muss dafür kämpfen.“ Wie schwierig und facettenreich dieser Kampf sein kann, hat Gavalda in diesem wunderbaren Roman über die Liebe und ihr Vergehen geistreich und kundig beschrieben.

A. Gaschik

 


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