|
Das
Alter – das ist so eine Sache . . .
Feststellungen von
Brigitte Stein, TMS „BIBERACH“
Ich bin nicht eitel, und
was das Alter angeht, schon gar nicht!
Das war so meine Meinung bis zu dem Tag, an
dem mich verschiedene Begegnungen mit
verschiedenen Äußerungen aufhorchen ließen.
-
Es war Ende März 1996 auf dem
Mittellandkanal. Mit dem MS „HANSEAT“ ging
es Richtung Elbe. Eis machte uns zu
schaffen; und dann war Schluss:
Schraubenschaden! Im Oberwasser des
Hebewerks Rothensee bei Magdeburg mussten
wir festmachen. Taucher aus Magdeburg kamen
und bereiteten am Ufer alles vor. Ich bekam
schon eine Gänsehaut, als der junge Taucher
ins Wasser stieg und tauchend in Richtung
Schraube verschwand. Mir war klar, der Mann
musste nach der Arbeit wieder aufgewärmt
werden. Also kochte ich Kaffee und Tee und
stellte auch eine heiße Brühe bereit. Dann
erschien der Unterkühlte in der Küche und
freute sich über die Auswahl an heißen
Getränken und herzhaften Butterbroten und
sagte voll Güte und Anerkennung zu Robert:
„Es ist doch schön, wenn man im Hintergrund
so ein „Muttchen“ hat, das einen so gut
versorgt“
Mir blieb die Luft weg, als ich erst viel
später begriff, dass er mich
meinte, fühlte ich mich doch eigentlich mit
noch nicht 59 Jahren recht jugendlich.
-
Monate später, zur
Weihnachtszeit, fand ich zu Hause eine
Einladung der Kirche vor: „An unsere
älteren Gemeindeglieder“ Ja, auch da war
ich gemeint.
-
Und als ich dann – kurz
danach – an der Tankstelle Fußballaufkleber
bekam, sagte doch glatt der Kassierer zu
mir: “Ach, sammeln Sie die für Ihre Enkel?“
-
Doch bald versöhnte ich mich
mit der Realität: Eines Tages fuhr ich eine
befreundete werdende Mutter ins Krankenhaus,
da sich die Geburt plötzlich verfrüht
ankündigte. Als Deniz wenige Stunden später
zur Welt kam, waren weder Mutter noch
Schwiegermutter der jungen Frau zu
erreichen. Aber ich war da!
Kurzerhand wurde ich zur Oma bestimmt und
fortan freue ich mich und bin auch richtig
stolz.
Ich stehe jetzt bewusst zu Alter und Oma,
und das ist schön!
|