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Der
Weihnachtsmann und das verlorene Geschenk
Von Edmund Schmitt, Ellenz-Poltersdorf
Es war einmal . . . da sollte der
Weihnachtsmann, von Gott persönlich gesandt,
die jährlichen Geschenke ins
Verkehrsministerium bringen.
So hatte er de n
schweren Sack voller schöner Investitionen,
für den Straßenverkehr, für die Bahn und auch
für die Binnenschifffahrt.
Auf dem Weg nach Berlin kam er an Köln vorbei
und sah die Bundeswasserstraße Nr. 1 in
Deutschland, den Rhein. Der liebe Gott hat
bestimmt nichts dagegen, dachte er so vor sich
hin, wenn ich erst mal ins Brauhaus gehe um
meinen Durst zu löschen. So ging er vom Dom
aus schnurstracks ins Brauhaus und trank ein
Kölsch. Und weil es ihm so gut schmeckte,
trank er noch eins und dann noch eins und
vergaß dabei seinen himmlischen Auftrag.
So saß er da bis zur Sperrspunde und
unterhielt sich mit den Schiffsleuten vom
Rhein und anderen Wasserstraßen. Sie erzählten
ihm von ihren Sorgen, von nicht ausreichenden
Investitionen, vom fehlenden Willen der
Politik, die Wasserstraßeninfrastruktur
besonders an Elbe und Donau zu verbessern, von
den noch immer sinkenden Frachttarifen, und,
und, und . . . So saß er da bis zur
Sperrstunde und hörte interessiert zu.
Erst als der Wirt schließen wollte, fiel ihm
sein himmlischer Auftrag wieder ein. Flugs
nahm er seinen schweren Sack und machte sich
auf den Weg nach Berlin. Dabei ist ihm, ohne
dass er es bemerkt hatte, ein Geschenk aus dem
Sack gefallen.
In Berlin angekommen, ging er schnurstracks
vom Brandenburger Tor Richtung Reichstag, zum
Verkehrsministerium und traf tatsächlich auch
den Verkehrsminister an. Zwar war der Minister
im laufenden Jahr nicht immer brav gewesen,
trotzdem packte er die Geschenke für ihn aus:
Ein riesiges Paket, - er hatte zu tun, es aus
dem Sack zu hieven -, für den Straßenverkehr,
ein etwas Kleineres für die Bahn. Dann griff
er wieder in den Sack und wollte ein weiteres
Geschenk herausholen. Doch, oh Schreck, es
fehlte! Er wühlte und suchte, es war nicht zu
finden! „Ruhig bleiben“, ermahnte er sich und
suchte nochmals ganz gründlich. Und siehe da,
er fand doch etwas. Er kratzte alles zusammen,
- es passte in eine Hand, - und übergab es
mit trauriger Stimme dem Verkehrsminister:
„Nicht viel für die deutsche
Binnenschifffahrt; mehr konnte ich leider
nicht mehr finden!“

Der Minister lächelte sanft und nickte. „Viel
ist es wirklich nicht, aber besser als gar
nichts!“
Diese Geschichte wiederholt sich von Jahr zu
Jahr. Wie soll da die
Wasserstraßeninfrastruktur verbessert werden?
Warum bekommt die deutsche Binnenschifffahrt,
die fast so viel wie die Bahn transportiert,
nur einen Bruchteil der Finanzmittel, die
Straße und Schiene bekommen? Sollte der
Weihnachtsmann an dieser Schieflage schuld
sein, dann sollte ihm ganz schnell verboten
werden, alljährlich in Köln Station zu machen!
Aber wer glaubt schon an den
Weihnachtsmann! |