Flaschenpost Nr. 4
Dezember 2003             Jahrgang 8

Der Weihnachtsmann und das verlorene Geschenk
Von Edmund Schmitt, Ellenz-Poltersdorf

Es war einmal  . . . da sollte der Weihnachtsmann, von Gott persönlich gesandt, die jährlichen Geschenke ins Verkehrsministerium bringen.
So hatte er den schweren Sack voller schöner Investitionen, für den Straßenverkehr, für die Bahn und auch für die Binnenschifffahrt.
Auf dem Weg nach Berlin kam er an Köln vorbei und sah die  Bundeswasserstraße Nr. 1 in Deutschland, den Rhein. Der liebe Gott hat bestimmt nichts dagegen, dachte er so vor sich hin, wenn ich erst mal ins Brauhaus gehe um meinen Durst zu löschen. So ging er vom Dom aus schnurstracks ins Brauhaus und trank ein Kölsch. Und weil es ihm so gut schmeckte, trank er noch eins und dann noch eins und vergaß dabei seinen himmlischen Auftrag.
So saß er da bis zur Sperrspunde und unterhielt sich mit den Schiffsleuten vom Rhein und anderen Wasserstraßen. Sie erzählten ihm von ihren Sorgen, von nicht ausreichenden Investitionen, vom fehlenden Willen der Politik, die Wasserstraßeninfrastruktur besonders an Elbe und Donau zu verbessern, von den noch immer sinkenden Frachttarifen, und, und, und . . .  So saß er da bis zur Sperrstunde und hörte interessiert zu.
Erst als der Wirt schließen wollte, fiel ihm sein himmlischer Auftrag wieder ein. Flugs nahm er seinen schweren Sack und machte sich auf den Weg nach Berlin. Dabei ist ihm, ohne dass er es bemerkt hatte, ein Geschenk aus dem Sack gefallen.
In Berlin angekommen, ging er schnurstracks vom Brandenburger Tor Richtung Reichstag, zum Verkehrsministerium und traf tatsächlich auch den Verkehrsminister an. Zwar war der Minister im laufenden Jahr nicht immer brav gewesen, trotzdem packte er die Geschenke für ihn aus: Ein riesiges Paket, - er hatte zu tun, es aus dem Sack zu hieven -, für den Straßenverkehr, ein etwas Kleineres für die Bahn. Dann griff er wieder in den Sack und wollte ein weiteres Geschenk herausholen. Doch, oh Schreck, es fehlte! Er wühlte und suchte, es war nicht zu finden! „Ruhig bleiben“, ermahnte er sich und suchte nochmals ganz gründlich. Und siehe da, er  fand doch etwas. Er kratzte alles zusammen, - es passte in eine Hand, -  und übergab es mit trauriger Stimme dem Verkehrsminister: „Nicht viel für die deutsche Binnenschifffahrt; mehr konnte ich leider nicht mehr finden!“
Der Minister lächelte sanft und nickte. „Viel ist es wirklich  nicht, aber besser als gar nichts!“
Diese Geschichte wiederholt sich von Jahr zu Jahr. Wie soll da die Wasserstraßeninfrastruktur verbessert werden?  Warum bekommt die deutsche Binnenschifffahrt, die fast so viel wie die Bahn transportiert, nur einen Bruchteil der Finanzmittel, die Straße und Schiene bekommen? Sollte der Weihnachtsmann an dieser Schieflage schuld sein, dann sollte ihm ganz schnell verboten werden, alljährlich in Köln Station zu machen!

Aber wer glaubt schon an den Weihnachtsmann!

 


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