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Erinnerungen an das
Schifferkinderheim Mannheim-Seckenheim
von 1959 - 1967
Das Haus erstrahlt im
Lichtermeer

Es ist
Sonntag der 1. Advent
Alle Kinder werden sehr früh am Morgen
geweckt. Unser Schlafsaal befindet sich direkt
unter dem Dach. Jeder sieht zu, dass er
möglichst schnell fertig ist mit der
Morgentoilette.
Gespannt stellen wir uns in Zweierreihen auf
und warten. Wir warten auf unsere Erzieherin,
die gleich mit den Kerzenständern und den
Kerzen kommen muss.
Sie
kommt, sie kommt, sie kommt,
raunt es
durch die Reihen. Tatsächlich, da kommt sie;
sie hat einen großen Karton dabei. Jetzt macht
sie den Karton auf, entnimmt etwas und
verteilt an jeden handgroße silberne,
hölzerne, fünfzackige Kerzenständer. Wenn alle
eine haben, bekommen wir noch jeder eine
Kerze, die in den Kerzenständer gesteckt wird.
„Bitte Ruhe, geordnet aufstellen, Ruhe da
hinten!“ sagt die Erzieherin.
Das Licht wird gelöscht, die Kerzen werden von
den Erzieherinnen angezündet. Es geht los!
Alle stehen nun andächtig da mit dem
silbernen, hölzernen, fünfzackigen
Kerzenständer mit einer brennenden Kerze in
der Hand.
Langsam setzen wir uns in Bewegung. Die große
Steintreppe hinunter, ganz langsam Schritt vor
Schritt, damit das Licht ja nicht ausgeht,
oder einer stolpert!
Nachdem wir den 1. Stock passiert haben,
reihen sich die Buben hinter uns genauso ein.
Wir gehen ins Erdgeschoss, vorbei an unseren
Tagesräumen, vor denen Stühle oder Hocker
stehen, die mit brennenden Kerzen oder
Tannenzweigen geschmückt sind. Oh wie
schön!
Auch innen wurden die Räume festlich
dekoriert und es brennen Kerzen. Alles
leuchtet und glitzert! Vor den Zimmern der
Erzieher stehen die Lichter manchmal auch auf
dem Boden.
Nach dem Rundgang im Erdgeschoss geht es im 1.
Stock weiter. Wir dürfen die Bubenetage von
innen sehen! Auch hier, das haben wohl die
Erzieher in der Zwischenzeit gemacht,
leuchtet, glitzert und glimmert es überall vor
den Räumen.
Die Mädchenetage ist zwischenzeitlich auch
prachtvoll geschmückt worden. Auch auf den
Fenstersimsen, den Schuhputzbänken im Keller,
vor den Duschen, vor der Waschküche, vor der
Nähstube, vor dem Büro, vor der Wohnung der
Hauseltern, in den Zwischenfenstern, überall
im Haus, wo etwas aufgestellt werden kann, ist
festlich geschmückt. Tannen, Pyramiden, Engel,
Nussknacker, Sterne, Girlanden, Kugeln,
Lametta, Kerzen, Leuchter, Lichter, Laternen,
alles was das bevorstehende Weihnachtsfest
verschönt, ist hier zu sehen.
Das ganze
Haus erstrahlt in einem unheimlich
prachtvollen Lichter- und Glimmermeer.
So setzen wir
unseren Rundgang andächtig durchs ganze Haus
fort und singen dabei Lieder, wie etwa
Es kommt ein Schiff geladen
Eine feste Burg ist unser Gott
Macht hoch die Tür
Es ist für uns eine Zeit angekommen
Es ist ein Ros entsprungen
Lobt Gott ihr Christen all zu gleich
Vom Himmel hoch ihr Englein kommt
Unsere
Ehrfurcht vor der Pracht, vor dem Glimmer, vor
dem Glanz ist riesengroß.
Der andächtige Zug endet im Speisesaal, wo
ebenfalls im Lichtermeer (die brennenden
Kerzen vor uns am Platz) gebetet und
gefrühstückt wird. Der Speisesaal ist schon
seit dem 1. Advent mit großen von der Decke
herabhängenden Adventskränzen geschmückt. Der
eine Kranz hat auch echte Kerzen, die vom
Hausvater Herr Hoppe angezündet werden, wenn
wir zum Essen in den Speisesaal kommen.
Karin Bever, Ludwigshafen
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