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Alltag an Bord
Von Ilka Heger, MS „LIMES“
Ich werde oft gefragt: „Wie ist das denn
so, auf einem Binnenschiff zu leben?“ Häufig
hat der Fragesteller schon eine vorgefasste
Meinung. Das zeigt sich dann im zweiten Satz;
man merkt es an Äußerungen wie: „So auf dem
Wasser und ständig unterwegs, das wäre nichts
für mich.“
Sicher, das Leben auf einem Binnenschiff
ist nicht alltäglich, doch in vielen Dingen
unterscheidet es sich nicht vom „Landleben“.
So beginnt für mich – als Hausfrau an Bord –
fast jeder Tag mit der gleichen Routine:
Frühstück machen, Betten machen,
Geschirrspüler einräumen; eben ganz normale
Hausarbeit, die in einer 60qm-Wohnung mit
Küche, Bad und drei Zimmern, anfällt. Sie
denken, das wäre langweilig? Nein, langweilig
ist das Bordleben sicher nicht, denn unser
Zuhause ist jeden Tag woanders und unmittelbar
mit unserem Arbeitsplatz verbunden.
Unser Zuhause, denn in den meisten
Binnenschifffahrtsbetrieben gehören die Frauen
und oft auch die erwachsenen Kinder mit zur
Besatzung. Häufig bin auch ich für die
verschiedensten Tätigkeiten an Deck zuständig:
Mal bin ich Matrose, der das Schiff in der
Schleuse oder im Hafen vertäuen muss, mal löse
ich meinen Mann am Steuerrad ab.
Das Zusammenleben an Bord ist sehr
intensiv, mit all seinen Vor- und Nachteilen.
Unsere erwachsene Tochter hat einmal in einem
Bericht geschrieben, dass ihr erst
rückblickend klar wurde, wie schön die
Kindheit an Bord war, waren doch Mutter und
Vater den ganzen Tag für sie präsent. Auch die
großen und kleinen Abenteuer an Bord – mit dem
Beiboot auf Piratenfahrt gehen, in 1.200 to
Sand spielen, oder bei Papa im Steuerhaus
schaukeln, während draußen die
unterschiedlichsten Landschaften vorüberziehen
– waren für sie selbstverständlich. Umso
schmerzhafter ist dann allerdings der
Schulbeginn, dessen Folge immer auf irgendeine
Art eine Trennung auf Zeit ist. Jede mögliche
Lösung ist nur ein Kompromiss, das
Familienleben wird beschränkt auf die
Wochenenden und die Ferien.
Ist auch das Leben an Bord ein enges und
ständiges Miteinander, so gestaltet sich die
Freundschaftspflege nicht immer ganz einfach.
Doch neue Techniken machen schon vieles
leichter. So tauscht man heutzutage das
Neueste per Funk, Telefon oder E-Mail aus.
Will ich aber Freunde persönlich treffen, so
ist das häufig mit langen Autofahrten quer
durch Deutschland verbunden. Es ist ganz
normal, dass ich mal eben von Frankfurt nach
Wesel und zurück zum Kaffeetrinken fahre.
Alles in allem ist es ein interessantes und
spannendes Leben, bei dem das Alltägliche an
nicht alltäglichen Orten stattfindet.
Es gibt immer wieder geruhsame und stille
Momente, doch leider werden diese immer
seltener.
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