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Tante
Sarah aus Rotterdam erzählt ein Märchen über die
deutsche Binnenschifffahrt:
„Ich stamme aus einem Geschlecht,
das Jahrzehnte das Land bewirtschaftete. Mit
Schifffahrt hatten meine Vorfahren nicht das
Geringste am Hut. Ich frage mich, ob sie jemals das
Meer gesehen haben. Dafür hatten sie eigentlich
keine Zeit, denn der Laden daheim musste brummen. Im
Sommer wurde das Heu eingeholt, ein Wettkampf gegen
den Regen. Sie haben im Schichtdienst Kartoffeln
geerntet. Manchmal ist man sonntags in die Kirche
gegangen, es sei denn, die Kuh hat gekalbt. In dem
Fall hat Gott halt warten müssen. Das Leben ging vor
auf dem Hof.
Da sie alle reichlich Kinder hatten, sind noch heute
viele Familien in meinem Geburtsort miteinander
verflochten. Regelmäßig kam „Volk aus der Fremde“
hinzu, wie zum Beispiel mein Opa. Er war der jüngste
Sohn eines Bauern und verließ in den dreißiger
Jahren das eigene Dorf, um den Elternhof der Oma
weiterzuführen. Dabei brachte er Wissen und
modernstes Arbeitszeug mit aus ganz anderen
Regionen. Somit war das Fundament gelegt für einen
blühenden Bauernbetrieb.
Auf dem Feld meiner Oma ackern heute nur noch
Erinnerungen an die Vergangenheit. In absehbarer
Zeit wird mal Wohngebiet daraus. Denn die Hochzeiten
des Familienunternehmens sind leider längst vorbei.
Sorgen um die Kinder macht Oma sich nicht, de
Nachwuchs hat schließlich studiert. Als sich die
Rahmenbedingungen verschlechterten, wurden sie an
die Akademie geschickt. Sie sind Lehrer geworden,
Buchhalter, Sozialpädagogen und
Landschaftsarchitekten. Mit dieser Vielfalt an
Wissen ließe sich der alte Hof noch einwandfrei
führen. Man bräuchte nur umsteigen auf neue
Techniken, an Ideen hat es nie gefehlt. Doch
Modernisierung ist bekanntlich eine teuere Sache.
Gäbe es dafür noch staatliche Unterstützung?
So streift meine Oma durch die
Felder, so schaut sich der Schiffer den Sohn an.
Darf man noch geistig jung sein in Deutschland, oder
machen wir ein Altersheim daraus? Jung ist, wer
arbeiten will, sich ausbilden lässt und nachdenkt
über neue Entwicklungen. Nach dem Wegfallen der
Schifferbörse hieß es, die Schiffer sollten rechnen
lernen, damit sie auch eigenständig das Unternehmen
führen können.
Schiffer können nun zählen, Herr Minister. Ihre
Ausbildung wurde um betriebswirtschaftliche Module
erweitert, für die Buchhaltung steht modernste
Arbeitstechnik zur Verfügung.
Es hieß, man sollte umweltfreundlich sein, das
Kyoto-Protokoll vor Augen halten. Schifffahrt ist
umweltschonend, Herr Minister. Die Motoren sind ja
fast zu regelrechten Luftfiltern geworden. Es hieß,
man solle internationalisieren, sich den
Herausforderungen der erweiterten Union stellen.
Schiffer sind längst Europäer, Herr
Minister, denn ihr
Arbeitsumfeld hat sich nie so richtig von
Grenzsteinen abstecken lassen.
Es heißt immer noch, sie seien so zukunftsträchtig,
eine Lösung für den drohenden Verkehrsinfarkt. Doch
sind sie das, Herr Minister? Vielleicht nur als
Wortlaut im großen Archiv der Berichte zur Zukunft
der deutschen Binnenschifffahrt?
Nach all diesen Jahren blühen wunderbar die Märchen,
in denen Schiffer die Hauptrolle spielen. Doch die
Arbeitsmittel bröckeln ab – die Flotte und die
Wasserstraße.
Wie lange noch, Herr Minister? Vielleicht bis zum
Alter meiner Oma, dann kann man ein Wohnboot daraus
machen. Die Kinder haben schließlich alle gut
gelernt. Ob sie jemals hätten jung sein wollen, tut
dann nichts mehr zur Sache.
Mit freundlicher Genehmigung von Sarah de Preter aus Rotterdam,
veröffentlicht in der Schifffahrtszeitung „Binnenvaartkrant“
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Im letzten
Monat hat die UNO eine weltweite Umfrage
durchgeführt. Die Frage war:
„Geben Sie uns bitte Ihre ehrliche Meinung zur
Lösung der Nahrungsknappheit im Rest der Welt
ab“.
Die Umfrage stellte sich, nicht unerwartet,
als Riesenflop heraus. Warum?
- in Afrika
wussten die Teilnehmer nicht, was „Nahrung“
ist.
- Osteuropa wusste nicht, was „ehrlich“
ist.
- Westeuropa kannte das Wort „Knappheit“
nicht.
- Die Chinesen wussten nicht, was „Meinung“
ist.
- Der Nahe Osten frage nach, was denn
„Lösung“ ist.
- Südamerika kannte die Bedeutung von
„bitte“ nicht.
- Und in den USA wusste niemand, was „der
Rest der Welt“ ist.
Entdeckt
in der Zeitschrift „Triangel“,
Mitarbeiterzeitung der Vermessungs- und
Katasterbehörde Rotenburg/Stade
Mit freundlicher Genehmigung von Frau Vera
Betz-Stolt
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