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Von Staubsaugern, Kartoffeln
und Etagenbetten
- Bericht einer Ausstellungslotsin auf der MS
Technik -
Düsseldorf im August 2004, gespannt sitze ich in
meinem Auto. Heute soll es also losgehen. Zwei
Wochen auf „große Fahrt“ auf der MS Technik. Von
Düsseldorf über Köln, Bonn und Koblenz zum
Museums-uferfest nach Frankfurt. Gut, als
Bonnerin fand ich den Streckenverlauf nicht
überwältigend spannend, aber diese Distanz auf
einem 105m langen Binnenschiff zurückzulegen
hatte durchaus seinen Reiz.
An der Rheinuferpromenade angekommen, suchte ich
also „mein Schiff“. Von Internetbildern wusste
ich bereits: Es ist grün, lindgrün um genau zu
sein. So ein „Pott“ fällt auf und schon beim
ersten Fragen wurde ich von einem fröhlichen
Rheinländer zur MS Jenny gelotst: „Ach, Sie
meinen den hässlichen grünen Kahn der da am
KD-Anleger liegt, ja da müssen Sie da runter!“

Hässlicher Kahn ?! – Na, wenn das die Scheubners
gehört hätten…
Freudig strahlend werde ich auf dem Schiff
begrüßt: „Leute mit großen Reisetaschen sind
hier immer willkommen. Bist du die Neue, kann
ich deine Telefonnummer haben?“ schallte es mir
von einem männlichen Kollegen entgegen. Etwas
verdutzt rückte ich also meine Daten raus.
Später sollte sich rausstellen, dass diese so
eindeutig klingende Begrüßung wohl auf rein
beruflichem Interesse beruhte. Es hatte sich
schnell herumgesprochen, dass ich normalerweise
in einem Technikmuseum arbeite und alle Lotsen
sind, mehr oder weniger aktiv, ständig auf
Jobsuche.
Mein erster Tag auf der „Jenny“ verlief relativ
unspektakulär und es soll auch nicht Aufgabe
dieses Artikels sein den Ausstellungsalltag
wiederzugeben, sondern vielmehr das ein oder
andere Anekdötchen zu erzählen und das Leben als
Landratte an Bord eines Binnenschiffes
schriftlich festzuhalten.
Die Sache mit dem Staubsaugen
Die erste Einlage, die ich zur Belustigung
der Crew beitragen sollte, wurde von mir schon
am dritten Abend formvollendet dargeboten…
Jeden Abend nach Ausstellungsende hieß es:
Antreten zum großen Putzkommando. 600m²
Ausstellungsfläche wurden täglich bei lauter
Rockmusik mit zwei Saugern bearbeitet, Vitrinen
glasgereinigt und Fettfingerspuren von
Touchscreens gewischt. Nun – irgendwie muss ich
wohl auf den falschen Knopf des
vollautomatischen Staubsaugmonsters gekommen
sein und „Flutsch“ lag der ganze Dreck der
letzten Woche mitten in der Ausstellung.
Aber, damit nicht genug, auch meine Versuche,
den Filter auszuklopfen schlugen komplett fehl.
Es war mein erster Fahrtag, und ich sollte
schnell lernen, dass man während der Fahrt
keinen Staubbeutel an Deck ausklopft. Als ich
schwarz im Gesicht wie ein Bergwerksarbeiter
zurück in die Ausstellung kam, bot mir Frau
Scheubner, zwischen zwei Lachattacken,
dankenswerterweise an, mich komplett in die
Waschmaschine zu stecken.
Das Diskussionsforum Etagenbett...
In meiner zweiten Etappe auf der „Jenny“
wurde besonders in der vorderen Kabine, welche
ich mit meiner Mitlotsin Katrin bewohnte, jede
Nacht ein neues Problem thematisiert. Von
Männern über Roboter bis hin zu allgemeinen
Frauenproblemen, wir erörterten nahezu alles.
Besonders ausufernd und lustig war die Nacht der
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Ossi (unteres Bett) - Wessi (oberes Bett)-
Problematik, in der wir unter großem Gekicher
mit sämtlichen Vorurteilen über Wessis/Ossis
aufräumten. Zu seinem Bedauern nahm der nebenan
wohnende Matrose nur Gemurmel und lautes Lachen
wahr. Die Konstruktion einer Hörmuschel dauert
noch an. Schließlich ist so ein
Ausstellungsschiff die Möglichkeit
herauszufinden „Was Frauen wollen...“.
Die Sache mit den Kartoffeln...
Nachdem ich mich bei meinem ersten
Aufenthalt auf dem Schiff mit dem Kochen dezent
zurückgehalten hatte (es gab aber auch wirklich
Leute mit mehr Talent), hatte ich mir für meinen
zweiten Einsatz fest vorgenommen: Am ersten
Abend wird gekocht! Ein Rezept hatte ich bereits
zuhause parat gelegt, alle Zutaten wurden in
Mannheim eingekauft und nach dem abendlichen
Staubsaugen konnte es endlich losgehen. Es
sollte Ofenkartoffeln im Schinkenmantel geben,
welche in einem Zwiebel – Öl – Sud sitzen
sollten. Unter tatkräftiger Unterstützung fast
aller Mitlotsen wurden also Kartoffeln geschält,
Zwiebeln gehackt und der gerade wieder
aufblühende Salbei gerupft. Die Kartoffeln
fanden nach viel Arbeit schließlich ihren Weg in
den ca. 1,70 m hoch gelegenen Ofen der
Bugwohnung. (Die Autorin dieses Artikels hat
eine geschätzte Körperlänge von ca. 1,64 m mit
hohen Schuhen!) Hungrig und mit gewetzten
Messern wartete das Lotsenteam nach
halbstündiger Garzeit der Erdäpfel auf Nahrung.
Auch der Matrose war an diesem Abend wieder zum
Essen geladen, was er schnell bereuen sollte.
Kaum hatte er die Küche der Lotsenwohnung
betreten, regnete es aus dem Backofen
Kartoffeln, Käse, Zwiebeln und Schinken und
unter lautem Schreien verkündete die Köchin,
dass ihr heißes Öl über die Finger läuft. Es ist
wohl nur seinen guten Reflexen zu verdanken,
dass er es schaffte, mit stepptanzähnlichen
Bewegungen allen Flugkartoffeln und dem in seine
Richtung geworfenen Backblech auszuweichen.
(Der Autorin dieses Artikels wurde striktes
Ofenverbot erteilt. An beschriebenem Abend
wurden um 22.30Uhr noch Nudeln gekocht...)

Wie Sie sich sicherlich vorstellen können,
lieber Leser, wäre diese Geschichte beliebig
erweiterbar. So wurde beispielsweise eines
Nachts ein Etagenbett durchbrochen, eine Treppe
wurde auf Sturzgefahr im Selbstmordversuch
getestet und einige Lotsen prüften regelmäßig
mit überdimensionalen Gummischwimmtieren die
Wassertemperatur der befahrenen Flüsse.
Zu guter Letzt bleibt festzuhalten: Wir haben
die „Jenny“ nicht kaputt gekriegt und es war
eine wunderbare Zeit auf dem Schiff, an welcher
besonders das Ehepaar Scheubner sowie Bruno und
Gerald großen Anteil hatten. Danke!!!
Sollte es eine MS Einstein* geben, komme ich
gerne wieder und teste erneut ihre
Standhaftigkeit gegen allerlei kleine
Missgeschicke. Ganz bestimmt aber wird die MS
Technik nicht in Vergessenheit geraten, habe ich
doch dank ihr einige wunderbare Menschen kennen
und lieben gelernt.
Am schönsten beschreibt meine Zeit auf dem
Schiff ein Zitat aus der Ausstellung:
„Der Mensch hat überhaupt nichts gesehen,
wenn er nichts gefühlt hat.“
(Henry David Theareau; US-Amerikanischen
Philosoph)
Anica Stock

*Jawohl,
es wird ein
MS EINSTEIN geben;
voraussichtlich vom 19. Mai bis
13. September 2005
Karin Scheubner |