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Eine schöne
Reise
von Anneliese Walter
Es war Sommer in den fünfziger Jahren und wir
hatten Kohle von der Mischanlage nach Aschaffenburg
geladen.
Auf der Bergfahrt wurde das ganze Schiff abgewaschen
und geschrubbt und nun konnte man wunderbar Wäsche
aufhängen. Auch die Fahrt den Main rauf, vorbei an
schönen Ortschaften und dazu noch das herrliche
Wetter, alles war wunderbar! Und dann ging es in
Aschaffenburg-Leider in den Hafen; an einer Mauer
sollten wir festmachen. Wann wir ans Löschen kämen,
wusste noch keiner – und wir waren rundherum
glücklich.
Aber dann am anderen Morgen wurden direkt über uns
Briketts geschüttelt, und das bis 18.00 Uhr ohne
Pause! Außerdem stand der Wind direkt über unserem
Schiff. Wir machten alles dicht und ich saß alleine
in der Wohnung wie in einem Schwitzkasten. Man
konnte noch nicht einmal Kaffee kochen! Mein Mann
kam mal in die Wohnung; den habe ich fast gar nicht
erkannt, so schwarz-braun war der! Und sogar unser
Hund, der Tobby, war kohlrabenschwarz. Der musste
nun unbedingt mal an Deck; was sollte man machen.
Wenn das morgen auch noch so ist, gehe ich den
ganzen Tag in die Stadt, nahm ich mir vor.
Auf
einmal fiel mir mein Bikini ein! Gesagt, getan, ich
zog ihn an und setzte mich zum Kühlen ins
Wohnzimmer. Dann kam der Matrose Josef mal vorbei
und staunte nicht schlecht. Von da an kam er öfters,
so dass es meinem Mann auffiel und dieser ihn
schleunigst wieder ans Arbeiten schickte.
Am andern Tag war Schluss mit der Schüttelei und wir
kamen endlich ans Ausladen. Was waren wir froh, als
wir leer waren, aus dem Hafen fuhren und die am
Anfang so malerische Reise zu Ende war!
Noch oft fragte der Josef: „Schiffmann, wann fahren
wir mal wieder nach Aschaffenburg?“

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