Flaschenpost Nr. 1
25. Februar 2005         Jahrgang 10

Eine schöne Reise
von Anneliese Walter

Es war Sommer in den fünfziger Jahren und wir hatten Kohle von der Mischanlage nach Aschaffenburg geladen.
Auf der Bergfahrt wurde das ganze Schiff abgewaschen und geschrubbt und nun konnte man wunderbar Wäsche aufhängen. Auch die Fahrt den Main rauf, vorbei an schönen Ortschaften und dazu noch das herrliche Wetter, alles war wunderbar! Und dann ging es in Aschaffenburg-Leider in den Hafen; an einer Mauer sollten wir festmachen. Wann wir ans Löschen kämen, wusste noch keiner – und wir waren rundherum glücklich.
Aber dann am anderen Morgen wurden direkt über uns Briketts geschüttelt, und das bis 18.00 Uhr ohne Pause! Außerdem stand der Wind direkt über unserem Schiff.  Wir machten alles dicht und ich saß alleine in der Wohnung wie in einem Schwitzkasten. Man konnte noch nicht einmal Kaffee kochen! Mein Mann kam mal in die Wohnung; den habe ich fast gar nicht erkannt, so schwarz-braun war der! Und sogar unser Hund, der Tobby, war kohlrabenschwarz. Der musste nun unbedingt mal an Deck; was sollte man machen.
Wenn das morgen auch noch so ist, gehe ich den ganzen Tag in die Stadt, nahm ich mir vor.

Auf einmal fiel mir mein Bikini ein! Gesagt, getan, ich zog ihn an und setzte mich zum Kühlen ins Wohnzimmer. Dann kam der Matrose Josef mal vorbei und staunte nicht schlecht. Von da an kam er öfters, so dass es meinem Mann auffiel und dieser ihn schleunigst wieder ans Arbeiten schickte.
Am andern Tag war Schluss mit der Schüttelei und wir kamen endlich ans Ausladen. Was waren wir froh, als wir leer waren, aus dem Hafen fuhren und die am Anfang so malerische Reise zu Ende war!
Noch oft fragte der Josef: „Schiffmann, wann fahren wir mal wieder nach Aschaffenburg?“

 

 


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