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Noch 'ne heiße
Geschichte . . .
von Karin Scheubner, MS „JENNY“
Sommer 1980, ich war gerade ein
knappes halbes Jahr verheiratet. Von Schifffahrt
hatte ich damals kaum Ahnung, war also noch lange
nicht „schiffisch“.
Wir
lagen mit dem MS „ALAN“ in Rotterdam (den genauen
Hafen weiß ich nicht mehr) und waren am Laden. Wir
hatten einen Matrosen und ich brauchte, auch, weil
ich noch nicht schiffisch war, nicht mithelfen,
sondern machte es mir bei herrlichem Sonnenschein im
Liegestuhl auf dem Roefdach gemütlich und las.
Vorne am „ALAN“ war die weiße
Flagge gehisst, was aber nicht bedeutete, dass wir
uns ergeben wollten, sondern, dass wir Wasser vom
Trinkwasserboot brauchten. In den Rotterdamer Häfen
ist es heute noch üblich, eine weiße Flagge
hochzuziehen, wenn man Trinkwasser braucht.
Das Boot kam dann auch. Erst wurde vorne beim
Matrosen, der einen kleinen Wassertank hatte,
gebunkert. Dann kam das Boot nach hinten. Wir hatten
einen Gummiballon als Trinkwassertank mit ca. 3.000
l Fassungsvermögen – das wusste ich. Wenn ich den
Teppich umschlug und die Luke im Küchenboden
aufmachte, konnte ich ihn sehen. Warum wir einen
Gummitank hatten, wusste ich damals nicht; es war
einfach so. Später erfuhr ich, dass der alte
Trinkwassertank damals durchgerostet war und
schnell, ohne Werftaufenthalt, ein neuer her musste.
Das war, wie es damals schien, eine gute Lösung.
Der Schlauch wurde also rübergezogen und backbord in
die Tanköffnung gesteckt. Ich beobachtete die ganze
Aktion von meinem Liegestuhl aus, denn ich hatte das
bis dahin noch nie gesehen. Nach einigen Minuten kam
mein Mann zu mir aufs Roefdach hoch, drückte mir
zwei Gulden in die Hand und meinte, die solle ich
dem jungen Mann vom Boot als Trinkgeld dann geben;
der Tank würde bald voll sein. Er selbst müsse
schnell die Papiere an Land holen, weil wir mit dem
Laden fertig seien.
Kaum war
mein Mann weg, grinste mich der Hafenmitarbeiter
unverschämt an. Ich hatte einen ziemlich knappen
Bikini an (für damalige Zeiten knapp!); daran hatte
ich gar nicht mehr gedacht. Mir war das peinlich und
ich wäre liebend gern in die Wohnung runter gegangen
und hätte mir ein T-Shirt übergezogen. Dann aber
hätte ich ganz nah an dem jungen Mann vorbei laufen
müssen, denn er lehnte lässig an unserem Geländer in
Türnähe und stierte mich an. Ich tat so, als ob
ich lesen würde, schielte aber immer mit einem Auge
nach unten. Wieso dauert das so lange mit dem
Bunkern? Mein Mann hat doch gesagt, der Tank wäre
gleich voll! Es dauerte und dauerte, ich spürte die
frechen Blicke; am liebsten hätte ich mich in Luft
aufgelöst.
Dann endlich kam mein Mann! Ich
hörte ihn fragen: „Sind wir noch immer nicht fertig;
wie viel Liter sind denn schon drin?“ Der junge Mann
schaute gelangweilt auf seine Wasseruhr und meinte
ganz lässig: „8.000 Liter!“ „Waaaas?“ schrieen mein
Mann und ich zur gleichen Zeit. „Der Tank fasst doch
nur 3.000 Liter!“ Ich schoss von meinem Liegestuhl
hoch, - an meinen knappen Bikini dachte ich in
diesem Moment nicht mehr, – runter vom Roefdach,
riss die Wohnungstüre auf und schon sah ich die
Bescherung: Fußabstreifer und Hausschuhe schwammen,
das Schuhschränkchen im Flur stand einige Zentimeter
im Wasser!
Was war passiert? Der Gummitank war geplatzt, -
sicher wegen zu starkem Druck - das Wasser hatte
die Luke im Küchenboden hoch gedrückt und so konnten
sich einige Tausend Liter schön in unserer Wohnung
verteilen!
Gut, dass Hochsommer war und wir das ganze nasse
Mobiliar an Deck trocknen konnten. Weniger gut war,
dass wir nun hinten keinen Tropfen Trinkwasser mehr
hatten! Für die nächsten Tage hieß das, Trinkwasser
mit Eimern von der Matrosenwohnung holen,
Katzenwäsche machen, nicht kochen, damit so wenig
wie möglich schmutziges Geschirr anfiel, denn der
Tank vorne fasste nur einige Hundert Liter. Und
kistenweise Mineralwasser an Bord gab es damals noch
nicht!
Weil wir so schnell keinen neuen Gummitank bekommen
konnten, musste ich, als wir Richtung Heimat kamen,
zu einem Vulkaniseur, der den Gummiball innerhalb
von zwei Tagen flickte. Und der hat dann auch noch
eine ganze Zeit gehalten! Natürlich haben wir von da
an immer mit äußerster Vorsicht Trinkwasser
gebunkert.
Im Jahr drauf, inzwischen gehörte das Schiff uns,
haben wir an einer Werft einen neuen, richtigen
Trinkwassertank aus Metall eingebaut.
Bis zu meiner Heirat mit einem
Binnenschiffer war auch ich „Eine von Land“, die
sich nie groß Gedanken gemacht hatte (damals war das
auch noch kein Thema), wie kostbar Trinkwasser ist.
Während des Händewaschens ließ auch ich früher das
Wasser voll aufgedreht laufen, am liebsten hätte ich
jeden Tag ein Vollbad genommen.
Bei dieser feucht-trockenen Geschichte damals musste
ich am eigenen Leib verspüren, wie schwierig es
ist, mit extrem wenig Wasser auszukommen.
Trinkwasser steht uns nicht uneingeschränkt zur
Verfügung, und ich habe längst kapiert, dass man
sparsam mit Wasser umgehen kann, ohne Körperpflege,
Haushalt usw. zu vernachlässigen. Oder?

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