Flaschenpost Nr. 1
25. Februar 2005         Jahrgang 10

Jugenderinnerungen von Rainer Schiffer aus Rheydt,
aufgeschrieben von Brigitte Stein, TMS „BIBERACH“

Der Optikermeister Rainer Schiffer aus Rheydt, 80 Jahre alt, liest mit Freude die FLASCHENPOST und es kommen unweigerlich Erinnerungen aus Kinder- und Jugendtagen auf. Er erzählte mir, dass er mit seinen Brüdern in Kaiserswerth (bei Düsseldorf), und somit am Rhein aufgewachsen ist.

Dort lernten die Brüder schwimmen, fuhren mit dem elterlichen Boot, paddelten, waren mit dem Wasser – ihrem Element – vertraut.
Fiebernd warteten die Jungen auf die Schleppzüge, die sich zu Berg kämpften: 3-6 Schleppkähne im Anhang, tief abgeladen. „Man musste den letzten Kahn anvisieren, der dem rechten Ufer am nächsten war. Dann hieß es: Ranschwimmen, beherzt die Bordwandkante packen – der 1. Griff musste sitzen – und die nächste Welle und die Strömung spülten und drückten uns an Bord. War uns der Schiffer wohl gesonnen, unterhielt er sich mit uns, und wir bekamen sogar Kaffee! Nach einigen Kilometern sprangen wir wieder ins Wasser und ließen uns talwärts zurück nach Kaiserswerth treiben. Manchmal jedoch kläffte ein Bordhund ziemlich gefährlich oder der Schiffer schimpfte, so dass wir gleich abdrehten.
In der Kriegszeit, wenn Kriegsmaterial transportiert wurde, kamen wir aber erst gar nicht in Nähe dieser Schiffe. Es war ja Spionagezeit!

Noch schöner war es, wenn KD-Schiffe – Räderboote mit Radkasten – in Kaiserswerth anlegten. Dann schwammen wir zum Heck, setzten uns auf das lange Ruder (5,20 m langes Ruderblatt), das ca. 20 cm aus dem Wasser ragte. Wir freuten uns diebisch über die erfolglosen Bemühungen des Matrosen, uns mit einem Bootshaken von unserem Sitz zu stoßen oder uns anders abzuschütteln.
Wir genossen die Fahrt einige Kilometer in Richtung Düsseldorf, drehten dem Matrosen eine lange Nase und schwammen zurück ans heimatliche Ufer.

Einen besonderen Spaß erlaubten wir uns beim Kajakfahren: Die Eskimorolle, in Ufernähe aufgeführt, fand viele Bewunderer. Wenn wir kopfunter im Wasser waren, sah man die Reklameschrift des Bootsbauers auf dem Kajakboden:
 

Edi Kleckers, Kaiserswerth“

Bei einigen Kajaks ohne Aufschrift tauchten wir bei der „Rolle“ einfach weg; das Kajak dümpelte allein herum, und die Leute am Ufer glaubten an ein Unglück.
Wir fanden das äußerst lustig – die Erwachsenen natürlich nicht!!

 


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