Flaschenpost Nr. 1
25. Februar 2005         Jahrgang 10

Schifffahrtsfans

Das Schöne an unserem Beruf ist auch, dass wir auf unseren Reisen quer durch Europa immer wieder nette Leute kennen lernen. Wer viel herumkommt, erlebt viel. Zudem können im Zeitalter des Internets  Kontakte geknüpft werden, die früher nie möglich gewesen wären.
Es tut gut, dass inzwischen immer mehr Landratten an der Binnenschifffahrt interessiert sind, sich zu regelrechten Schifffahrtsfans entwickelt haben.
Da gibt es z.B. ein Ehepaar aus Oberhofen  am  Main-Donau-Kanal, das zunächst nur immer die „JENNY“ vorbei fahren gesehen hat. Irgendwann hatten die Altmühltaler es dann geschafft, uns an einer Schleuse abzufangen. Inzwischen sind wir schon viele Jahre mit ihnen befreundet, sie sind schon öfters mitgefahren,  wissen sie sehr viel über die Schifffahrt, besonders über den Donauausbau. Vor einigen Jahren hatten sie eine Unterschriftenaktion für einen schifffahrtsgerechten Donauausbau gestartet und konnten sogar hart gesottene Ausbaugegner von der Notwendigkeit des Ausbaus überzeugen.
Wir waren und sind immer wieder überwältigt!

Dann gibt es einen Moselaner aus Ellenz, der zwar beruflich mit der Binnenschifffahrt nichts zu tun hat, sich aber ein Wissen angeeignet hat, das uns immer wieder zum Staunen bringt. Ihm entgeht nichts an der Mosel. Auffälligkeiten gibt er an uns, an Kollegen mit Internetzugang an Bord, die Verbände oder die Medien weiter.
Seine neueste Aktion, ein Leserbrief an die umliegenden Zeitungsredaktionen, möchte ich den Lesern der FLAPO nicht vorenthalten:

Betreff: Stopp der Zweiten Schleuse in Fankel.
Es ist schon sehr bedauerlich und ein ökologischer Wahnsinn, dass nach nur 4 Wochen Bauzeit die Arbeiten an der zweiten Schleuse in Fankel schon wieder eingestellt wurden. Da sieht man mal wieder, dass Wasserstraßen in diesem Land keinerlei Lobby haben. Genau diese sind es, die den Verkehrskollaps in diesem Lande noch mildern können; zu verhindern ist er eh’ nicht mehr!
Zurzeit sieht es so in Deutschland aus: 2,4 Milliarden Gütertonnen befördert die völlig überforderte Straße, 240 Millionen Gütertonnen die Bahn, wie vor 30 Jahren, und etwa 230 Millionen Gütertonnen die Wasserstraßen.
Die Bahn AG kostet den Steuerzahlen pro Jahr 18,9 Milliarden €, die sich zusammensetzen aus Altschulden, Zinsen und Neuinvestitionen. Trotzdem ist sie nicht in der Lage, auch nur eine Tonne von der Straße aufzunehmen.
Wie sollte das denn auch gehen, für nur 10% der Straße müsste die Bahn ihre Kapazität verdoppeln, und dafür fehlt Material, vor allen Dingen aber Personal. Eine Änderung dieser Politik ist nicht in Sicht.

Das einzige Transportsystem, das überhaupt noch Kapazitäten frei hat, ist die Binnenschifffahrt, und nur die! Leider wird sie von der Politik sträflich vernachlässigt und mit nur 400 Millionen €  pro Jahr abgespeist. Das reicht noch nicht einmal, die Substanz zu erhalten, geschweige denn etwa Neubauten.
Diese extrem blinde Politik verursacht sehr schnell den Verkehrsinfarkt. Der volkswirtschaftliche Schaden ist erheblich. Binnenschifffahrt ist Umweltschutz pur. Ohne eine leistungsfähige Binnenschifffahrt ist Umweltschutz nur ein Lippenbekenntnis. Aber das interessiert keinen Politiker, Hauptsache, die eigene Kasse stimmt. Der Nutzen für das Volk
und die Volkswirtschaft ist egal. Damit ist der Amtseid der klassische Meineid. Die LKW- Lobby im Bundestag ist doch sehr mächtig.
Meine lieben Politiker, den Verkehrminister eingeschlossen. Überlegen Sie doch einmal sehr genau, was Sie bei Amtseintritt geschworen haben:  Schaden vom Volk abzuhalten, und das genau machen Sie nicht!

Ich lade alle Politiker im Sommer einmal auf meinen Balkon zur Hauptverkehrszeit ein, wenn es sich stundenlang staut hier an der Schleuse, zum Teil mehr als 5 Stunden für die Frachtschifffahrt. Zum Glück gelingt es dem Schleusenpersonal, die Schleuse mehr schlecht als recht in Betrieb zu halten.
Es gibt aber keinen Tag, wo nicht irgendeine Schleuse von Koblenz bis Trier defekt ist, und dann steht alles. Die Schleusen sind schon über 40 Jahre alt und für eine solche Belastung niemals gebaut. Ersatzteile gibt es nicht mehr, alles muss Hand angefertigt werden; das ist sehr teuer und aufwändig. Da nützt auch keine jährliche Generalreparatur. Die Zeit von nur 8 Tagen reicht auf keinen Fall aus, um wirklich vorzubeugen. Da dieses auch noch immer in der Hauptsaison stattfindet, ist der volkswirtschaftliche Schaden für den Fremdenverkehr und die Schifffahrt besonders hoch.

Neue Schleusen sind auf einen längeren Zeitraum die billigere Lösung.
Und das sollte sehr schnell passieren.

Freundliche Grüße
Edmund Schmitt

 

 

 

 

 

 

Das sind nur zwei Beispiele, wie sich Leute, die beruflich gar nichts mit der Binnenschifffahrt zu tun haben, für uns einsetzen. Herzlichen Dank für dieses Engagement!

Zum Nachahnen empfohlen!

Karin Scheubner, MS „JENNY“

 


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