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Schifffahrtsfans
Das Schöne an
unserem Beruf ist auch, dass wir auf unseren Reisen
quer durch Europa immer wieder nette Leute kennen
lernen. Wer viel herumkommt, erlebt viel. Zudem
können im Zeitalter des Internets Kontakte geknüpft
werden, die früher nie möglich gewesen wären.
Es tut gut, dass inzwischen immer mehr Landratten an
der Binnenschifffahrt interessiert sind, sich zu
regelrechten Schifffahrtsfans entwickelt haben.
Da gibt es z.B. ein Ehepaar aus Oberhofen am
Main-Donau-Kanal, das zunächst nur immer die „JENNY“
vorbei fahren gesehen hat. Irgendwann hatten die
Altmühltaler es dann geschafft, uns an einer
Schleuse abzufangen. Inzwischen sind wir schon viele
Jahre mit ihnen befreundet, sie sind schon öfters
mitgefahren, wissen sie sehr viel über die
Schifffahrt, besonders über den Donauausbau. Vor
einigen Jahren hatten sie eine Unterschriftenaktion
für einen schifffahrtsgerechten Donauausbau
gestartet und konnten sogar hart gesottene
Ausbaugegner von der Notwendigkeit des Ausbaus
überzeugen.
Wir waren und sind immer wieder überwältigt!
Dann gibt es einen
Moselaner aus Ellenz, der zwar beruflich mit der
Binnenschifffahrt nichts zu tun hat, sich aber ein
Wissen angeeignet hat, das uns immer wieder zum
Staunen bringt. Ihm entgeht nichts an der Mosel.
Auffälligkeiten gibt er an uns, an Kollegen mit
Internetzugang an Bord, die Verbände oder die Medien
weiter.
Seine neueste Aktion, ein Leserbrief an die
umliegenden Zeitungsredaktionen, möchte ich den
Lesern der FLAPO nicht vorenthalten:
Betreff: Stopp der Zweiten Schleuse in Fankel.
Es
ist schon sehr bedauerlich und ein ökologischer
Wahnsinn, dass nach nur 4 Wochen Bauzeit die
Arbeiten an der zweiten Schleuse in Fankel schon
wieder eingestellt wurden. Da sieht man mal wieder,
dass Wasserstraßen in diesem Land keinerlei Lobby
haben. Genau diese sind es, die den Verkehrskollaps
in diesem Lande noch mildern können; zu verhindern
ist er eh’ nicht mehr!
Zurzeit sieht es so in Deutschland aus: 2,4
Milliarden Gütertonnen befördert die völlig
überforderte Straße, 240 Millionen Gütertonnen die
Bahn, wie vor 30 Jahren, und etwa 230 Millionen
Gütertonnen die Wasserstraßen.
Die Bahn AG kostet den Steuerzahlen pro Jahr 18,9
Milliarden €, die sich zusammensetzen aus
Altschulden, Zinsen und Neuinvestitionen. Trotzdem
ist sie nicht in der Lage, auch nur eine Tonne von
der Straße aufzunehmen.
Wie sollte das denn auch gehen, für nur 10% der
Straße müsste die Bahn ihre Kapazität verdoppeln,
und dafür fehlt Material, vor allen Dingen aber
Personal. Eine Änderung dieser Politik ist nicht in
Sicht.
Das
einzige Transportsystem, das überhaupt noch
Kapazitäten frei hat, ist die Binnenschifffahrt, und
nur die! Leider wird sie von der Politik sträflich
vernachlässigt und mit nur 400 Millionen € pro Jahr
abgespeist. Das reicht noch nicht einmal, die
Substanz zu erhalten, geschweige denn etwa
Neubauten.
Diese extrem
blinde Politik
verursacht sehr schnell den Verkehrsinfarkt. Der
volkswirtschaftliche Schaden ist erheblich.
Binnenschifffahrt ist Umweltschutz pur. Ohne eine
leistungsfähige Binnenschifffahrt ist Umweltschutz
nur ein Lippenbekenntnis. Aber das interessiert
keinen Politiker, Hauptsache, die eigene Kasse
stimmt. Der Nutzen für das Volk
und
die Volkswirtschaft ist egal. Damit ist der Amtseid
der klassische Meineid. Die LKW- Lobby im Bundestag
ist doch sehr mächtig.
Meine lieben Politiker, den Verkehrminister
eingeschlossen. Überlegen Sie doch einmal sehr
genau, was Sie bei Amtseintritt geschworen haben:
Schaden vom Volk abzuhalten, und das genau machen
Sie nicht!
Ich
lade alle Politiker im Sommer einmal auf meinen
Balkon zur Hauptverkehrszeit ein, wenn es sich
stundenlang staut hier an der Schleuse, zum Teil
mehr als 5 Stunden für die Frachtschifffahrt. Zum
Glück gelingt es dem Schleusenpersonal, die Schleuse
mehr schlecht als recht in Betrieb zu halten.
Es gibt aber keinen Tag, wo nicht irgendeine
Schleuse von Koblenz bis Trier defekt ist, und dann
steht alles. Die Schleusen sind schon über 40 Jahre
alt und für eine solche Belastung niemals gebaut.
Ersatzteile gibt es nicht mehr, alles muss Hand
angefertigt werden; das ist sehr teuer und
aufwändig. Da nützt auch keine jährliche
Generalreparatur. Die Zeit von nur 8 Tagen reicht
auf keinen Fall aus, um wirklich vorzubeugen.
Da dieses auch noch immer in der Hauptsaison
stattfindet, ist der volkswirtschaftliche Schaden
für den Fremdenverkehr und die Schifffahrt besonders
hoch.
Neue Schleusen sind auf einen längeren Zeitraum die
billigere Lösung.
Und das sollte sehr schnell passieren.
Freundliche Grüße
Edmund
Schmitt
Das sind nur zwei
Beispiele, wie sich Leute, die beruflich gar nichts
mit der Binnenschifffahrt zu tun haben, für uns
einsetzen. Herzlichen Dank für dieses Engagement!
Zum Nachahnen
empfohlen!
Karin Scheubner, MS
„JENNY“
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