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Mein erstes Berufsjahr
von Albert Krobbach,
ehemaliger Hafenmeister in Andernach
Da ich aus einer
Schifferfamilie stamme, stand schon zu meiner
Schulzeit fest, dass ich in die Fußstapfen meines
Vaters treten würde. Mein Vater versuchte mich zwar
bei einem, in meinem Heimatort bekannten Bäcker als
Bäckerlehrling unterzubringen, aber alles Zureden
half nichts.
So fuhr
ich dann am Osterdienstag des Jahres 1942 mit meiner
Mutter nach Wesseling zur Reederei Braunkohle. Hier
kam ich nach einem Kurzlehrgang an Land zunächst auf
das, wie man so schön sagt, Räderboot „Braunkohle
4“. Wir befuhren nur die Strecke Wesseling – Bingen
und zurück.
Im Spätherbst wechselte ich auf das in Wesseling
stationierte Hafenboot „Braunkohle 6“ (Viktor
Weidtmann) zu Kapitän Schepers, der die reinsten
Drahtseilakte, im wahrsten Sinne des Wortes,
vollführte, wenn er die Schiffe zur Beladung an die
einzelnen Kräne bugsieren musste.
Da
hatten wir u. a. einen Heizer, der keine Zähne mehr
hatte. Wenn dieser Frühstücken ging, schlich ich
hinter ihm her. Er musste ja, da er zahnlos war, die
Kruste vom Brot abschneiden. Die verschlang ich dann
mit Heißhunger, denn wir hatten ja Krieg und nicht
viel zu essen. Diese Geschichte („Soll ich euch mal
ein „Stückelchen“ von der armen Zeit erzählen?“)
erzählte ich immer meinen Kindern, wenn sie den
Teller nicht leer essen wollten. (Vergebliche
Liebesmüh; was man selber nicht erfahren hat, kann
man schlecht nachvollziehen.)
Eine andere Episode
auf demselben Schiff begann Anfang 1943. Mein
Kapitän ging in Urlaub und wir bekamen einen
Ersatzkapitän aus Rheindürckheim, der mit zwei
schweren Koffern angereist kam. Was in dem einen
Koffer war, wusste ich nicht, aber der zweite war
voll mit Fleisch und Wurst. Ich hatte die Aufgabe zu
erledigen, die Wurst in einen Kleiderschrank auf
einer lose eingehängten Stange aufzuhängen. Dabei
lief mir das Wasser im Mund zusammen. Als sich
zuviel Wasser in meinem Mund angesammelt hatte,
konnte ich mich nicht mehr beherrschen und nahm mir
ein sog. „Heinzelmännchen“. Nach Beendigung meiner
Arbeit meldete ich mich beim Kapitän. Derselbe besah
sich dann mit Argusaugen meine Gesamtarbeit, zählte
nach und fragte mich, ob ich eine Wurst gegessen
hätte. Mein Ja und eine schallende Ohrfeige kamen
zur gleichen Zeit. Er sagte mir noch, dass er mir
beim Abschluss meiner Arbeit sowieso eine gegeben
hätte. Nun ja, da würde ich vielleicht heute noch
darauf warten!
So vergingen Tage, Wochen und Monate. Ich war in der
Zwischenzeit als Schiffsjunge auf dem Schraubenboot
„Damco 20“ gelandet. Und wie das Schicksal es so
wollte, ging mein Kapitän in Urlaub, und wer war der
Ersatzkapitän? Richtig, Herr Reinhard aus
Rheindürckheim! Er kam in Ludwigshafen an Bord,
wieder mit zwei Koffern! Was in dem einen war,
wusste ich, wie gesagt, nicht. Den zweiten Koffer
packte er diesmal selbst aus!
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