Flaschenpost Nr. 2
10. Juni 2005              Jahrgang 10

Dumm gelaufen, oder wie eine Schirmherrschaft auf mich übertragen wurde

 von Brigitte Stein, TMS „BIBERACH“

MS „HANSEAT“ hat in Stein, holländische Stadt (weder verwandt noch verschwägert mit Brigitte Stein) am Juliana-Kanal festgemacht, um anderntags Kohle zu laden.
Ich freue mich, dass ich Freundin Juliane (weder verwandt noch verschwägert mit dem Juliana-Kanal), die nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt wohnt, treffen werde.
Wir telefonieren: „In einer Stunde an der Kirche in Stein.“ Wir sind beide pünktlich, leider nur an verschiedenen Kirchen. Ich frage Passanten und komme per Anhalter an den rechten Ort, wo Juliane bereits mit dem Auto wartet.
Sie war noch nie auf einem Binnenschiff. Also fahren wir ins Hafengebiet. Harald Balzereit, Eigner des Schiffes, zeigt alles Wichtige an Bord und Juliane ist beeindruckt.
Vorn, in meiner Wohnung, haben wir Zwei uns viel zu erzählen. Wir vergessen Zeit und Raum. Inzwischen ist draußen dunkle Nacht. Das „Von-Bord-Gehen“ ist Juliane nicht ganz geheuer. Daher nehme ich ihre Tasche und den Schirm, damit sie die Hände frei hat. Wir kommen auch unbehelligt an Land. Hochkonzentriert tappen wir über das unebene Gelände hin zum Auto. Juliane atmet erleichtert auf, packt ihre Tasche in den Wagen und erzählt mir dabei ausführlich, dass der Regenschirm ein für sie wichtiges Erbstück ihrer Mutter ist und sie diesen nie verlieren darf. Ich stimme ihr zu und halte den Schirm ganz fest. Wir verabschieden uns, und ich winke mit Taschenlampe und Schirm dem durch Schlaglöcher und über Eisenbahnschienen schaukelnden Fahrzeug nach.
Der Schirm blieb etliche Monate an Bord, bis ich ihn - einschließlich Verantwortung -  endlich wieder los wurde.
Noch heute erinnern wir uns mit viel Gelächter an unser damaliges Treffen und Schirmerlebnis.

 


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