Flaschenpost Nr. 2
10. Juni 2005              Jahrgang 10

Eine unvergessliche Fahrt nach Bremen
Erinnerungen, aufgeschrieben von Ellen Maier, TMS „CAROLIN“

Vor vielen, vielen Jahren hatten wir uns dazu entschlossen, mal den Schifferball in Bremen zu besuchen. Es hieß, der Bremer Ball sei sehr schön, außerdem ganz anders als der Duisburger. Wir lieben Abwechslung und fanden das Programm recht interessant: Man ginge ins Theater und u. a. bekäme jede weibliche Ballbesucherin eine Rose überreicht. Welche Frau wird da nicht schwach!
Handy gab es damals noch nicht und so verabredeten wir uns mit Familie Geffke (TMS „ANGELA CLAUDIA“), die Freunde in Bremen haben, zu einer bestimmten Zeit an einer bestimmten Tankstelle direkt nach der Autobahnabfahrt Bremen. Die Freunde wollten uns dann zu unserem Hotel lotsen.

Von Duisburg nach Bremen sind es nur 250 km. Mein Mann Werner fährt, ich mache im Auto einen kurzen Schönheitsschlaf. (Werner braucht das nicht; er ist von Natur aus schön!)  Ich träume von einer Galavorstellung, von meinem Mann im Smoking und silberner Fliege und von mir im langen schwarzen Abendkleid.
Zwei Abfahrten vor Bremen werde ich plötzlich wach, schaue mich im Auto um und ganz schnell wird aus meinem schönen Traum ein Alptraum! Wo sind überhaupt Smoking und Abendkleid? Im Auto nicht;  also hängen sie noch zu Hause an der Garderobe!
Wie bereits anfangs erwähnt, Handy gab es damals noch nicht. Wir also wieder zurück Richtung Duisburg. Von der nächsten Raststätte aus rufe ich meine Freundin an und bitte sie, den Hausschlüssel, der an der und der Stelle liegen muss, zu holen und mit unserer edlen Garderobe nach Münster an die Raststätte zu kommen. Ich rufe auch noch die Freunde von Familie Geffke an, damit die nicht umsonst an der Tankstelle Abfahrt Bremen warten.
Meine Freundin in Duisburg hat verstanden und will sich auch gleich auf den Weg machen. Wir fahren zurück an die Raststätte Münster, genehmigen uns einen Kaffee und ich schminke mich schon mal theaterfein. Die Zeit wird auf jeden Fall knapp; dann muss ich nur noch in mein langes „Schwarzes“ schlüpfen. Werner hat’s gut; er ist, wie schon geschrieben, eine Naturschönheit, braucht also keine Schminke und gönnt sich währenddessen einen weiteren Kaffee und liest ausführlich die Bild-Zeitung. Wir warten und warten, trinken noch eine Tasse Kaffee, mein Make-up verblasst langsam wieder, aber  meine Freundin kommt nicht. Wir rufen nochmals bei ihr an und erfahren, dass sie den Schlüssel nirgendwo gefunden hat. Also zurück nach Duisburg, schnell umziehen und wieder auf die Autobahn nach Bremen! Wir schaffen es gerade so, zum Ende der Vorstellung am Theater zu sein.
Unsere Freunde kamen aus dem Theater;  sie schienen die Aufführung genossen zu haben und waren baff erstaunt, einen strahlenden Werner mit Ehefrau am Theaterausgang zu sehen; waren sie doch fest davon überzeugt gewesen, zwei genervte, griesgrämige Duisburger nach so viel Missgeschick anzutreffen!

Was nur ich wusste:  Werner ist eigentlich gar kein Theaterfan, hatte uns nur mir zu Liebe zum Bremer Schifferball angemeldet.

Und die Moral von der Geschicht’: Manche Probleme lösen sich von ganz alleine!

 

 

 


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