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BUCHTIPP
„Andere Umstände“
von Grit
Poppe
Grit
Poppe ist eine junge Autorin aus der untergegangenen
DDR, die mit „Andere Umstände“ ihren ersten Roman
vorlegt. Sie erzählt von Mila Rosin, die kaltblütig
ihre Bahn zieht. Das Messer, das der Vater dem
Scheidungskind früher geschenkt hatte, ist stets mit
im Gepäck. Es dient ihr nicht nur als Zeichen der
Erinnerung, sondern auch als Mittel zum Mord. Mila
hat nämlich ein Problem mit Männern, die nicht ihr
Spiel spielen. Zum Beispiel will der verheiratete
Lehrer Kraus sie einfach nicht zur Mutter machen. Da
sticht Mila tödlich zu und verrät einem Schulfreund
unmittelbar nach der Tat: „ Weißt du schon das
Neueste? Morgen fällt Englisch aus.“
Eine Mitschuld trägt auch der Vater, der nie da ist
und der Tochter den Rat gibt: „ Wenn du wütend bist,
dann nutze die Energie deiner Wut.“ Ganz beiläufig
ersticht Mila auch Leopold, als der versucht die
Witwe von Herrn Kraus zu vergewaltigen. Das ist
Jahre nach dem ersten Mord, und Frau Kraus bekommt
nun eine Ahnung, wer ihren Mann auf dem Gewissen
haben könnte. Gegenwärtig befindet sich Mila in San
Francisco, endlich mit einer Tochter namens Alice.
Freund Victor hatte sie am Tage des Mauerfalls auf
die Idee mit San Francisco gebracht. Er ist auch der
Vater von Alice. Doch von Mila in den Tod getrieben
wird Alice ohne Vater aufwachsen wie Mila und Milas
Mutter auch. Auf keinen Fall will sich Mila ihre
Tochter nehmen lassen, weshalb auch der Amerikaner
John vorzeitig mit Hilfe von Föhn und Badewanne aus
dem Leben scheidet. Grit Poppe hat jedes Kapitel mit
einem Nahrungsmittel überschrieben – von Käse über
Kartoffeln und Cornflakes bis zu Kaffee. Es geht ums
Überleben, und da muss der Bauch voll sein, aber
auch die Seele bedarf der Sättigung und daran
mangelt es Mila vor allem. Ein schneller,
angenehmer, kurzweiliger Roman mit einem kessen
jungen Ton einer jungen Autorin aus dem noch jungen
Deutschland,
A.
Gaschik
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