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Käpt’n Ebbi und seine Flusspiraten
Seemannsgarn, gesponnen von Stephan Kröner und
Wiebke Gerndt
„
... Jo jo, da habt ihr ja allen Grund, euch zu
verstecken. Aber hier auf dem Fluss fragen wir nicht
danach, was einer hinter sich hat, hier zählt nur,
was einer kann. Spaghetti kochen zum Beispiel.“
Käpt’n Ebbi brummelt freundlich in seinen Bart
während er uns begrüßt. Gruselig sieht er aus mit
seiner Augenklappe über dem linken Auge.
„Trafalgar?“ fragen wir ehrfürchtig. „Nee, gehört
zur Dienstkleidung.“ Er klappt die Klappe hoch und
der Schalk lacht aus seinen beiden gesunden
Piratenaugen. „Oder habt ihr schon mal einen echten
Piraten ohne Augenklappe gesehen? Aber zurück zum
Thema: „Ihr müsst Euch unter der Kohle verstecken,
wenn die grünweißen Piratenjäger uns entern sollten.
Aber selbst wenn: keine Angst, bei mir und meiner
Mannschaft seid ihr sicher. Nicht wahr, Ronda? Zeig
mal, was Du kannst.“ Und noch ehe ich mich versah,
befand sich meine Nase zwischen den Zähnen des
schwärzesten, gruseligsten Piratenhundes diesseits
der Elbe. Aber sie zwickte nur zärtlich zu. „Wenn Du
Piratenjäger wärst, hättest Du jetzt den letzten
Tabak Deines Lebens schon geschnupft. Aber Ronda
weiß schließlich, wer die Guten sind. Nicht wahr
Ronda? Leckerchen? Ihr hättet mal den letzten Bösen
sehen sollen, der mein Fahrtenbuch kapern wollte.
Aber nu kommt erst mal mit.“ Käpt’n Ebbi stapfte die
Treppe hoch und öffnete die knarrende Tür zum
Steuerhaus. So, Boni, kannst auf die Rückbank
wechseln, ich übernehme das Steuer wieder.“ Und mit
einer Leichtfüßigkeit, die man dem zweiten
Piratenhund nie zugetraut hätte, sprang er auf die
Rückbank. „Zwei Schiffshunde?“ fragten wir
ungläubig. „Nein, vier“ sagte Käpt’n Ebbi. Laut
Binnenpiratenschiffahrtsordnung ist pro 1000 t
Ladekapazität ein Piratenhund Vorschrift, bei
wertvoller Ladung zwei. Und wir kapern schließlich
nur wertvolle Beute. Auch wenn die Prisen verdammt
schlecht sind in letzter Zeit. Da müssen wir ab und
zu auch noch nach zehn Glasen auf der Nachtwache ein
Schiff entern“. „Verdammt, Ebbi, die grünweißen an
Steuerbord, zwei Strich achterlicher als querab“
kommt es plötzlich vom Bug. „Das ist Ladja, mein
bester und einziger Matrose, der sieht alles.“ Und
mit großer Gelassenheit spricht Käpt’n Ebbi ins
Mega-phon: „Jitka, bitte noch zwei Schaufeln Kohle
in die Vernebelungsanlage“ Und die Matrosin
antwortet: „Mit dem größten Vergnügen“ und tut, wie
ihr geheißen. Wenig später steigen beißende,
schwarze Nebelschwaden aus dem Vernebelungsrohr am
Heck unseres Schiffes auf. Auf dem Piratenjägerboot
sieht man den Kapitän, schwarz von Ruß sich die
Augen reiben, und wie Rumpelstilzchen an Deck
umherhüpfen. Sie bleiben immer weiter zurück. „Die
sind wir los, Ebbi“ sagt da Kerstin, die
Piratenbraut
„Klar, Mäuschen. Ist
aber doch immer so. Weißt Du noch, damals auf der
Saar, als wir mit dem wertvollen Erz Wettrennen mit
den Schergen des Königs gespielt haben?“ Und so
langsam fühlen wir uns sicher. Wir nehmen auf der
Rückbank Platz und fragen dem Käpt’n Löcher in den
Bauch. Warum Flusspiraten keine Segelschiffe mehr
fahren (weil die Flusspiratenjäger auch keine mehr
haben), wie viel man pro Tonne erbeuteter Ladung in
Amsterdam erzielt (viel zu wenig, und wegen der
verdammten holländischen Freibeuter, die einem mit
staatlichem Kaperbrief und von der königlich
Holländischen Bank vorfinanziert, die besten Prisen
abjagen, immer weniger), warum uns der Käpt’n so
bekannt vorkommt (weil er schon so oft für
Piratenfilme angeheuert wurde, das ist lukrativer
als Schiffe kapern) und wozu er so ein dickes
Fernglas hat (um die schönen Piratenbräute am Ufer
genauer in Augenschein zu nehmen, und dabei immer
wieder festzustellen, dass keine mit seiner Kerstin
mithalten kann). Wir massieren die Schiffshunde
(schließlich muss der alten Piratenkrankheit
Rückenschmerz vorgebeugt werden), lesen die
Weiterbildungslektüre (Kapern für Anfänger, die
kleine Enterfibel, Westdeutscher Schifffahrts- und
Hafenkneipenkalender, Klappschuten aufstöbern und
versenken, Haltung und Pflege des Kielschweins) und
beginnen so langsam, uns sicher zu fühlen.
„Linienschiff
voraus“, dröhnt es da vom Ausguck und schon sehen
wir ihn vor uns, den Zweidecker, wie er mit
ausgebrannten Geschützen da liegt und uns die
Weiterfahrt versperrt. Widerstand zwecklos.
Scheinbar. Die kennen Käpt’n Ebbi schlecht. „Jitka,
setz’ doch bitte die blaue Flagge, ich denke wir
fahren nach Backbord auf dem Geheimweg in den
Twente-Kanal.“ „Aber der ist nur für 2,50 m Tiefgang
zugelassen, und wir haben mindestens 2,80 m “.
„Macht nix, los ihr beiden“ wendet er sich an uns:
„Hier ist ein Packen Luftballons, ab in den
Maschinenraum an die Sauerstoffflaschen und
aufblasen. Wenn wir die vorne anhängen, kommen wir
auf 2,60 m Tiefgang, dann noch den Kaffee von Bord,
das dürfte reichen. Und wenn ihr fertig seid, ab
unter die Kohlen, damit euch keiner findet!“
Hauptdarsteller:
Piratenschiff ………………………………………..
MS BAYER. WALD
Käpt’n Ebbi ………………………………………… Eberhard
Butenhof
Piratenbraut Kerstin ……………………………….. Kerstin
Weiß
Matrose Ladja ……………………………………… Ladislav Jaros,
Steuermann
Matrosin Jitka ……………………………………… Jitka
Jarosova, Matrose
Piratenhund
Ronda …………………………………
Bordhund
Ronda
Piratenhund
Boni ………………………………...… Bordhund Boni
 
Fortsetzung folgt
in der
FLASCHENPOST Nr. 3/2005
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