Flaschenpost Nr. 3
September 2005          Jahrgang 10

Käpt’n Ebbi und seine Flusspiraten (Teil 2)
Fortsetzung des gesponnenen Seemanns-garns von Stephan Kröner und Wiebke Gerndt

Wir machen uns auf den Weg in den Maschinenraum und blasen die Luftballons auf. Einen nach dem anderen reichen wir an Ladja weiter, der sie an den Ösen rund um den Laderaum befestigt. Schon hebt sich das Schiff spürbar. Wir halten auf dichtes Gebüsch am Ufer zu. „Käpt’n Ebbi, wir laufen gleich auf“ rufen wir wie aus einer Kehle; doch da teilt sich das Gebüsch und wir biegen auf den Geheimweg in den Twente-Kanal ein. Gerade als wir die Strickleiter zum Ausguck hinaufklettern, sehen wir, wie der feindliche Zweidecker die Kanonen unverrichteter Dinge wieder einrennt. Doch dann werden dort die Boote zu Wasser gelassen. Hunderte feindlicher Seesoldaten rudern auf uns zu. „Jitka, bitte die gelben Heckgeschütze ausrennen. Ach nein, die blauen reichen. Und bitte mit Biofix laden. Gebt es ihnen sauber.“ Sorgfältig lädt Jitka die Geschütze und Ladja richtet sie genauestens aus. Wir helfen beim Ausrennen. Die Boote mit den feindlichen Seesoldaten sind schon bedrohlich nahe. Schon nehmen sie ihre Messer zwischen die Zähne und machen sich klar zum Entern. „So, bitte jetzt feuern“ kommt endlich die freundliche Stimme von Käpt’n Ebbi aus dem Megaphon. Als sich der Pulverqualm verzieht, sehen wir dort, wo vorher die Boote waren, nur noch eine große Wolke schillernder Seifenblasen fröhlich blubbern. Hier und da schwimmt eine blitzsaubere Seesoldatenmütze auf dem Wasser. „Juchhu, geschafft“, jubeln wir erleichtert.
Doch für Käpt’n Ebbi und seine Mannschaft ist der Tag noch nicht zu Ende. Da sie hier in Feindesland sind, müssen sie noch bis tief in die Nacht weiterfahren, um an einer versteckten Flusspirateninsel auf der Ijssel zu ankern. Und unterwegs droht ständig Entdeckung. „Jitka, setz doch bitte die Holländische Flagge im Heck, und bitte das Schild vom letzten Piratenfilm übers Heck“. Wenige Minuten später tuckert die holländische MS Gudrun über den Twente-Kanal Richtung Ijssel. Mit den riesigen gelben Luftballons am Bug sieht sie aus, als würde sie Werbung für holländisches Bier fahren. „Wie gut, dass wir die nicht weggeschmissen haben, jetzt waren sie unsere Rettung“ sagt Ebbi. Aber nochmal können wir das nicht machen. Wir haben jetzt schon verdammt wenig Luft für den Motor, und die ist immer so schwer zu kapern. Als wir nachts um zwölf endlich an der Pier der Pirateninsel festgemacht haben, drückt uns Käpt’n Ebbi einen Krug Bier und eine Tüte Tortuga-Chips in die Hand und tanzt mit traumwandlerischer Sicherheit vom Schiff über das gespannte Tau an Land. „Los, kommt, mir nach, dann trinken wir noch einen zusammen.“ Gesagt, getan. Fröhlich und ausgelassen feiern wir mit Käpt’n Ebbi und seiner Mannschaft am nächtlichen Kai den Sieg über die Seesoldaten. Die Abendsonne schickt ihre letzten roten Strahlen über das Wasser und die Ijssel gluckst ausgelassen zwi­schen Boot und Kai. Auf dem Rückweg über das Tau pas­siert es dann: Ich rutsche aus und donnere mit dem Kopf auf einen der Eisenpoller der MS Gudrun.
Als ich wieder zu mir komme, kann ich kaum etwas sehen, und es brummt und dröhnt, als würden tausend Schmiedehämmer im Takt auf mich einschlagen. „Wo bin ich? Was ist passiert?“ „In unserer Kabine, neben dem Maschinenraum, auf der MS Bayerischer Wald, im Duisburger Hafen, mein Schatz. Wir sind gestern Abend hier angekommen. Es ist jetzt sechs Uhr morgens, der Käpt’n hat soeben die Maschine gestartet und wir legen gerade ab zu unserer ersten Fahrt.“

 

                          Ende gut -  alles gut!!

                            

 

Hauptdarsteller:

Piratenschiff  ……………………………….……….. MS BAYER. WALD
Käpt’n Ebbi ………………………………………… Eberhard Butenhof
Piratenbraut Kerstin ………………………..……….. Kerstin Weiß
Matrose Ladja ……………………………………… Ladislav Jaros, Steuermann
Matrosin Jitka ………………………………………  Jitka Jarosova, Matrose
Piratenhund Ronda ……………………….…………  Bordhund Ronda
Piratenhund Boni ………………………....…………  Bordhund Boni

 


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