|
BUCHTIPP
„Die blinden Passagiere“
von Jan Brokken
Ein
Buch zum Träumen, zum Staunen und Mitfiebern, 500
mitreißende Seiten über eine Schiffsreise um den
halben Globus. Jan Brokken verknüpft geschickt eine
Liebesgeschichte mit einer dramatischen Flucht und
dem Lob auf die Überseeschifffahrt.
In Rotterdam schmuggeln sich zwei junge Polen auf
das alte Frachtschiff „Maria Reygersbergen “. In der
stickigen Luft des untersten Decks, eingezwängt
zwischen Containern, kämpfen die beiden gegen Durst,
Hunger und Übelkeit und bald nur noch ums nackte
Überleben. Sie wollen nach Amerika und stellen
verzweifelt fest, dass das Schiff einen anderen Kurs
nimmt. Halbtot werden sie schließlich entdeckt und
sollen bis zu ihrer Auslieferung an Bord arbeiten.
Dabei kreuzt sich ihr Schicksal mit dem des
holländischen Gemälderestaurators Maurice Schotel,
der vor seiner eigenen Existenz flieht Schotel
beginnt eine Affäre mit der einzigen Frau an Bord:
Adriana, die Ehefrau des Rudergängers, flieht
ebenfalls und zwar vor ihrer kaputten Beziehung.
Brokken gelingt es so gänzlich verschiedene
Persönlichkeiten wie selbstverständlich einander
berühren und sich wieder trennen zu lassen. Der
Leser erfährt derweil nicht nur viel über die
Abgründe der menschlichen Existenz, sondern auch
jede Menge über die Freuden und Gefahren der
christlichen Seefahrt und überdies noch über die
koloniale Vergangenheit der Niederlande.
Jan Brokken, ein ehemaliger Journalist, hat die so
offensichtlich unterschiedlichen Handlungsfelder zu
einer packenden Geschichte verbunden. Mit dem
bereits verfilmten Roman schaffte Brokken in den
Niederlanden den literarischen Durchbruch.
A. Gaschik
|