Flaschenpost Nr. 3
September 2005          Jahrgang 10

BUCHTIPP

 

„Die blinden Passagiere“
von Jan Brokken

Ein Buch zum Träumen, zum Staunen und Mitfiebern, 500 mitreißende Seiten über eine Schiffsreise um den halben Globus. Jan Brokken verknüpft geschickt eine Liebesgeschichte mit einer dramatischen Flucht und dem Lob auf die Überseeschifffahrt.
In Rotterdam schmuggeln sich zwei junge Polen auf das alte Frachtschiff „Maria Reygersbergen “. In der stickigen Luft des untersten Decks, eingezwängt zwischen Containern, kämpfen die beiden gegen Durst, Hunger und Übelkeit und bald nur noch ums nackte Überleben. Sie wollen nach Amerika und stellen verzweifelt fest, dass das Schiff einen anderen Kurs nimmt. Halbtot werden sie schließlich entdeckt und sollen bis zu ihrer Auslieferung an Bord arbeiten.
Dabei kreuzt sich ihr Schicksal mit dem des holländischen Gemälderestaurators Maurice Schotel, der vor seiner eigenen Existenz flieht  Schotel beginnt eine Affäre mit der einzigen Frau an Bord: Adriana, die Ehefrau des Rudergängers, flieht ebenfalls und zwar vor ihrer kaputten Beziehung.
Brokken gelingt es so gänzlich verschiedene Persönlichkeiten wie selbstverständlich einander berühren und sich wieder trennen zu lassen. Der Leser erfährt derweil nicht nur viel über die Abgründe der menschlichen Existenz, sondern auch jede Menge über die Freuden und Gefahren der christlichen Seefahrt und überdies noch über die koloniale Vergangenheit der Niederlande.
Jan Brokken, ein ehemaliger Journalist, hat die so offensichtlich  unterschiedlichen Handlungsfelder zu einer packenden Geschichte verbunden. Mit dem bereits verfilmten Roman schaffte Brokken in den Niederlanden den literarischen Durchbruch.

A. Gaschik

 


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