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Lange haben sie geschwiegen, all jene Menschen,
die in den Jahren des 2. Weltkrieges Kinder waren.
Erst jetzt, mehr als 50 Jahre nach Ende des
Schreckens, melden sie sich zu Wort, vorsichtig und
leise, als hätten sie nach wie vor Angst, man könnte
ihnen das Sprechen verbieten. Eine von denen, die
ihnen zugehört haben, ist Hilke Lorenz, eine
Journalistin aus Stuttgart. „Kriegskinder. Das
Schicksal einer Generation “ heißt ihre
Zusammenstellung bewegender Geschichten und
Erinnerungen von Betroffenen.
Hilke Lorenz hat ihre Gesprächspartner und
–partnerinnen klug gewählt und sie behutsam zum
Sprechen gebracht. Anhand von Einzelschicksalen
schildert sie eindrucksvoll die ganze Bandbreite des
Krieges, erzählt von Vertreibung und Flucht, vom
Verlieren und Wieder finden, und von den Folgen, die
das Erlebte für viele der Kriegskinder ein Leben
lang hat. So hat die inzwischen 62 Jahre alte Erika
Koch bis heute Angst, verloren zu gehen, wenn sie
mit einer Gruppe unterwegs ist. 1944, auf dem Treck
nach Westen, verliert die damals Dreijährige ihre
Schwester, die Mutter ist schon vorher aus Krakau
geflohen und hat die beiden Töchter der Obhut des
polnischen Kindermädchens überlassen. Erst 1948
trifft Erika Koch Mutter und Schwester wieder. Die
Angst, verlassen zu werden, hält sie bis heute
gefangen. Noch viele andere Geschichten ließen sich
erzählen. Etwa die von Ludger Heinz, den eine
Straßenbahnschaffnerin vor dem sicheren Tod bewahrt.
Statt seiner wird die junge Frau während eines
Fliegerangriffs von MG-Garben durchlöchert. Die
Kriegskinder sind schon lange erwachsen, längst
haben sie eigene Kinder und Enkel. Es wird Zeit,
dass man ihnen zuhört.
A. Gaschik
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