Flaschenpost Nr. 1
März 2006                  Jahrgang 11

         Der Schiffshund Tobby
        von Anneliese Walter aus Spay, Mutter unseres Vorstandsmitglieds  Ria Plog

Es begann im Oktober 1951.
Als Hundebaby wurde Tobby in einer Wasserkiste, schön ausgepolstert mit einer ausgedienten sog. „Kauber Jacke“ und einem Topf Wasser, per Express, mit der Aufschrift „Vorsicht, lebender Hund“,  hier von Spay nach Duisburg zu meinem Mann auf das Motorschiff „Hermann Keienburg“ an die „Niederrheinische Schiffswerft“ geschickt. Pünktlich und putzmunter kam er am nächsten Morgen in Duisburg an.
Mein Mann war überrascht, denn er hatte von der ganzen Aktion nichts gewusst. Er hat sich aber gefreut und das Hundebaby dann auch ganz schnell lieb gewonnen.
Auch die Matrosen und deren Frauen schlossen ihn sofort ins Herz und unterhielten sich nur noch in Hundesprache mit ihm. Schnell kannte Tobby die Essenszeiten  der Matrosen und fand sich immer pünktlich bei ihnen ein. Als die Frau eines Matrosen, der im Mittelherft wohnte, ihrem Mann von geschmierten Broten auf dem Küchentisch erzählte, die dieser direkt essen sollte, musste er feststellen, dass der Teller leer war. Tobby aber lag satt und zufrieden auf dem Bett des Matrosen und schlief.
Auf der einen Seite war er recht keck, auf der anderen Seite aber auch ziemlich ängstlich. Als wir mal in Mainz an der Werft auf Helling lagen, war er plötzlich verschwunden. Wir suchten ihn überall, konnten ihn aber nirgendwo finden. Abends, als nicht mehr gearbeitet wurde und es ruhig war, kam er wieder. So ging das jeden Tag, bis uns dann der Portier erzählte, dass Tobby tagsüber immer bei ihm gewesen sei.
Bei Berninghaus hat die Reederei ein neues Schiff bauen lassen, mein Mann musste während dieser Zeit mit an die Werft und Tobby nach Spay zur Oma. Sobald unser altes Schiff zu Berg kam und der Schiffer der Oma getutet hat, dann ist Tobby schnell zum Proviantboot gelaufen und mit an Bord gefahren. Nachdem er Steuerhaus und Wohnung abgesucht hatte und der Schiffer den Kopf schüttelte und sagte: „Herrchen ist nicht hier“, ist er wieder ins Proviantboot und mit zurück gefahren. Ständig hat er nach Schiffen Ausschau gehalten, ist immer wieder an die Schiffe heran geschwommen und dann enttäuscht wieder zurück an Land. Dann hat er sich, zum Leidwesen der Anlieger, in ihren Gärten trocken gewänzelt. Er war einfach ein richtiger Schiffshund, wollte am liebsten an Bord sein.

Als mein Mann nun mit dem neuen Schiff zum ersten Mal in Spay vor Anker ging, stand unsere Oma am Balkon und rief ihrem Sohn Jakob zu: „Nimmst Du den Hund jetzt wieder mit an Bord?“ „Nein“, rief er zurück, „der Hund bleibt an Land!“
Tobby spitzte die Ohren, machte einen Satz über die Rheinmauer, sprang ins Wasser, schwamm an das Schiff und hängte sich mit den Vorderpfoten ans Gangbord. Da holte Herrchen ihn hoch und meinte: „So, jetzt bleibst Du hier, für immer!“

 

 


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