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Der Schiffshund Tobby
von Anneliese Walter aus Spay, Mutter
unseres Vorstandsmitglieds Ria Plog
Es begann im Oktober 1951.
Als Hundebaby wurde Tobby in einer Wasserkiste,
schön ausgepolstert mit einer ausgedienten sog. „Kauber
Jacke“ und einem Topf Wasser, per Express, mit der
Aufschrift „Vorsicht, lebender Hund“, hier von Spay
nach Duisburg zu meinem Mann auf das Motorschiff
„Hermann Keienburg“ an die „Niederrheinische
Schiffswerft“ geschickt. Pünktlich und putzmunter
kam er am nächsten Morgen in Duisburg an.
Mein Mann war überrascht, denn er hatte von der
ganzen Aktion nichts gewusst. Er hat sich aber
gefreut und das Hundebaby dann auch ganz schnell
lieb gewonnen.
Auch die Matrosen und deren Frauen schlossen ihn
sofort ins Herz und unterhielten sich nur noch in
Hundesprache mit ihm. Schnell kannte Tobby die
Essenszeiten der Matrosen und fand sich immer
pünktlich bei ihnen ein. Als die Frau eines
Matrosen, der im Mittelherft wohnte, ihrem Mann von
geschmierten Broten auf dem Küchentisch erzählte,
die dieser direkt essen sollte, musste er
feststellen, dass der Teller leer war. Tobby aber
lag satt und zufrieden auf dem Bett des Matrosen und
schlief.
Auf der einen Seite war er recht keck, auf der
anderen Seite aber auch ziemlich ängstlich. Als wir
mal in Mainz an der Werft auf Helling lagen, war er
plötzlich verschwunden. Wir suchten ihn überall,
konnten ihn aber nirgendwo finden. Abends, als nicht
mehr gearbeitet wurde und es ruhig war, kam er
wieder. So ging das jeden Tag, bis uns dann der
Portier erzählte, dass Tobby tagsüber immer bei ihm
gewesen sei.
Bei Berninghaus hat die Reederei ein neues Schiff
bauen lassen, mein Mann musste während dieser Zeit
mit an die Werft und Tobby nach Spay zur Oma. Sobald
unser altes Schiff zu Berg kam und der Schiffer der
Oma getutet hat, dann ist Tobby schnell zum
Proviantboot gelaufen und mit an Bord gefahren.
Nachdem er Steuerhaus und Wohnung abgesucht hatte
und der Schiffer den Kopf schüttelte und sagte:
„Herrchen ist nicht hier“, ist er wieder ins
Proviantboot und mit zurück gefahren. Ständig hat er
nach Schiffen Ausschau gehalten, ist immer wieder an
die Schiffe heran geschwommen und dann enttäuscht
wieder zurück an Land. Dann hat er sich, zum
Leidwesen der Anlieger, in ihren Gärten trocken
gewänzelt. Er war einfach ein richtiger Schiffshund,
wollte am liebsten an Bord sein.
Als mein Mann nun mit dem neuen Schiff zum ersten
Mal in Spay vor Anker ging, stand unsere Oma am
Balkon und rief ihrem Sohn Jakob zu: „Nimmst Du den
Hund jetzt wieder mit an Bord?“ „Nein“, rief er
zurück, „der Hund bleibt an Land!“
Tobby spitzte die Ohren, machte einen Satz über die
Rheinmauer, sprang ins Wasser, schwamm an das Schiff
und hängte sich mit den Vorderpfoten ans Gangbord.
Da holte Herrchen ihn hoch und meinte: „So, jetzt
bleibst Du hier, für immer!“

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