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Wenn
einer eine Reise tut ...
Zum 6. Mal durfte
ich eine Reise auf dem (der?) MS „Jenny“ machen,
meinem inzwischen lieb gewonnenen und in allen
Ecken und Winkeln bekannten Schiff. Diesmal sollte
es eine Reise der besonderen Klasse sein, nicht
einfach Relaxen und ´Seele baumeln lassen´, was
sonst immer meine Hauptbeschäftigung war. Nein,
Konzentration und harte Arbeit war angesagt! Arbeit
nicht im Sinne von Schiffschrubben etc., sondern von
künstlerischem und darstellerischem Wert.
Kurzum, ein Fernsehteam des Bayerischen Rundfunks
kam mit mir an Bord, um einen Urlaubsgast bei seiner
Urlaubsbeschäftigung und seinem Aufenthalt und
seinen Eindrücken an Bord zu begleiten.
Schon vor meiner
Anreise stieg bei dem Gedanken an das Bevorstehende
eine riesige Spannung in mir auf, die mich zeitweise
fast in Angstzustände versetzte. Ein Medienspektakel
auf der „Jenny“ und ich als Hauptdarsteller! –
Unmöglich! Das kann doch nicht gut gehen! Wie halt
ich das durch? Was ist, wenn ich mich verspreche,
dummes Zeug rede, mich ungeschickt anstelle? Was
werden die mich fragen, kann ich das auch
rüberbringen ohne mich zu blamieren? So schwirrten
meine Gedanken wild durcheinander und konnten nur
durch zeitweise Einnahme einer Beruhigungspille
(pflanzlich!) gebändigt werden.
Dann kam der Tag,
als mich Steuermann Bruno, der gerade Schichtwechsel
hatte, und Freundin Bettina in Wiesbaden an der
Autobahn mitnahmen und an Bord brachten. Wir hatten
uns unterwegs lebhaft unterhalten, so dass die Zeit
schnell verging und meine Erregung merklich
nachließ.
Im Mittellandkanal
in der Nähe von Recke erreichten wir das Schiff. An
Bord dann das freudige „Hallo“ mit Karin und
Albrecht – ich hielt in meiner kleinen Ferienwohnung
Einzug und fühlte mich schon bald wieder wie
zuhause. Das Wetter war gut, so dass man sich im
Freien aufhalten konnte und ich neugierig die mir
fremde Umgebung in Augenschein nahm. Wie immer
erklärte mir Albrecht alles was ich wissen wollte
und so verging die Zeit, zwischen drin mit
traditionellem Kaffee und Kuchen, wie im Flug.
Am nächsten Tag war
es dann soweit. Das Fernsehen war im Anmarsch und
wurde bis Mittag erwartet. Meine Aufregung stieg
wieder an, also war wieder eine Pille notwendig! Per
Telefon wurde die Mannschaft von Albrecht an den
Kanal gelotst.
Inzwischen erfuhr
ich von der Schifferin Karin, die durch die
Verpflegungsvorbereitung für so viele Leute auch
schon leicht rotierte, dass 3 Mann des Teams
in meine kleine Kajüte zur „Untermiete“ einziehen
würden. Oh Schreck, wie soll das gehen, (eine
weitere Pille war unbedingt fällig!) Es würde eng
werden wie in einer Sardinenbüchse und die vielen
Schuhe im Eingang – unvorstellbar!
In der Mittagszeit
war es dann soweit, der blauweiße VW-Bus des B R kam
in Sicht. Schon kam die erste Anweisung des
Aufnahmeleiters, der Gast möge auf dem Vorderschiff
im Liegestuhl Platz nehmen, mit Fernglas
ausgestattet aber nicht in die Kamera auf der
nächsten Brücke blickend! Ich schlang mein Essen
hinunter und eilte so schnell wie möglich nach vorne
und (zuerst noch eine Pille!!), setzte ich mich für
meinen Begriff zu „touri-mäßig“ nieder.
Dann legte die
„Jenny“ an der nächsten Liegestelle bei, um das
TV-Team aufzunehmen. Nach dem Essen wies ich „meine
Gäste“ in unsere enge Behausung ein und man war
allgemein erstaunt, welch ein Raum selbst in der
kleinsten Hütte sein kann!
Danach geschah erst
mal gar nichts, denn die Gäste waren so beeindruckt
vom Schifffahren, dass sie dies erst mal genoss en.
Dann kam mein erster Auftritt auf dem Vorderschiff
(es musste wieder eine Pille rein!) mit Interview
über die Gründe meines Aufenthaltes und die Freude
darüber, hier zu sein. Ich hatte mich gedanklich
schon etwas präpariert und konnte (dank meiner
Medizin!) auch frei von der Leber
weg reden. Am Ende war man voll des Lobes, was ich
als Medienlaie kaum fassen konnte, so dass der Bann
gebrochen war und ich mich vorerst mal selber für
„echt cool“ hielt (von nun an wurde die
„Drogeneinnahme“ deutlich reduziert!). Am Abend vor
dem Schlafengehen schenkte ich noch einen „Schoppen“
vom mitgebrachten Rheinhessenwein ein und alle
schliefen wie die Murmeltiere bis auf mich, der die
ersten Eindrücke noch verarbeiten musste.
Der nächste Tag begann mit früh Aufstehen (ich
bereits um 5.oo wegen meiner vielen Mitbewohner).
Um 6.oo Dreh vor dem Ablegen –meine Ankunft an Bord!
Noch etwas müde, aber es hat geklappt. Zweiter Dreh
mein Einzug in die Wohnung, ging beim zweiten
Versuch auch gut.
Das Pilleneinwerfen
hatte sich inzwischen erledigt, ich hatte mich nun
bereits recht gut in das Team integriert. Wir saßen
öfters vorne in der Sonne und relaxten – die
gemächliche Fahrt bei schönstem Wetter (wie extra
bestellt!) war auch für die Fernsehleute eine
willkommene Abwechslung zu dem sonst üblichen
Drehstress.
Am Mittag war
Besichtigung des Maschinenraums, wie Bruno mir die
Maschine und das Abschmieren etc. zeigt. Ich
glaube, soviel Öl haben die Kolben und Zylinder
noch nie abbekommen bis das fertig gedreht war. Es
gab dann noch ein Interview mit dem Schiffsführer
Albrecht im Steuerhaus, mit der Schiffersfrau
Karin in der Küche und mit mir beim Abendessen mit
der Familie als Gastgeber. Ein weiterer
„Rheinhessen-Schoppen“ beendete dann mit der nötigen
Bettschwere den zweiten Tag.
Am dritten Tag gab
es am Morgen den letzten Dreh beim Löschen unseres
Schiffes, das Ton aus dem Westwald hierher nach
Vahldorf bei Magdeburg brachte. Auch das ist gut
verlaufen mit Interview vom Hobbyschiffer und ich
konnte nach dem anfänglichen Stress zufrieden sein
mit mir. Nach herzlicher Verabschiedung zog der
BR-Bus von dannen, machte noch einige Aufnahmen von
einer nahe gelegenen Brücke von unserem Schiff beim
Löschen und entschwand.
Am Abend, als wir
leer nach Magdeburg fuhren, gab es noch ein
aufregendes Ereignis auf dem Kanal. Eine alte
Stahlbrücke aus DDR-Zeiten lag so niedrig, dass
sämtliche Aufbauten des Schiffes abgebaut werden
mussten, selbst die Autos mussten in den Laderaum
verstaut werden. Dann kam die Brücke näher und
näher, die Nervosität des Schiffspersonals
einschließlich mir stieg bis aufs Äußerste! Es hat
gerade so gelangt, höchstens eine Handbreit war noch
Platz zwischen Brücke und Schiff. Der Schiffsführer
verschwand mit einem Mal ganz von der Bildfläche, so
dass das Schiff für einige Sekunden führerlos war.
Wir dachten schon, ob er sich wohl selbst skalpiert
hat?!
Mit einem schönen
Sonntagsausflug mit meinen Schifferfreunden nach
Magdeburg und Quedlinburg endete meine diesjährige
Erlebnisreise, für die ich Karin und Albrecht
Scheubner nochmals sehr herzlich danke. Ich ging mit
dem Gefühl „a star is born“ von Bord, wenn auch nur
für 4 ½ Min. Sendezeit in der BR-Frankenschau. Mit
der Bahn (noch mal ein Erlebnis für einen
eingefleischten Autofahrer) habe ich dann, gefüllt
mit vielen neuen Eindrücken, den Heimathafen wieder
erreicht.
Ich freue mich schon
auf die nächste Fahrt irgendwann? – so Gott will!
Herzlichst Ihr
Winzer-
i. R.- und Hobbyschiffer Gerhard Jost
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