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Zu Gast bei
Freunden…….
Zu
Beginn der 70er Jahre bekam eines unserer
Tankschiffe ein neues Heizschlangensystem auf einer
der größten niederländischen Werften in Rotterdam
eingebaut.
An einem Mittwoch fuhr ich mit dem Auto von der Ruhr
nach Rotterdam, um den Fortgang der Werftarbeiten zu
überprüfen, und mit dem lobenswerten Vorsatz,
spätestens gegen 16.00 wieder zurück im Büro zu
sein.
Dass daraus nichts wurde lag zum einen an Bayern
München, und zum anderen an der Gastfreundschaft
unserer holländischen Freunde. Beim gemeinsamen
Mittagessen im “Chalet Suisse“ wurde mir
mitgeteilt, heute Abend spiele “Sparta Rotterdam“ im
Europapokal gegen die Bayern, kein Problem, mir eine
Karte zu besorgen. Allerdings liege im Betriebsbüro
eine Tippliste aus, in die ich mich noch einzutragen
hätte. Mein Sportsgeist war geweckt, der wichtige
Bürotermin wurde verschoben und eine 2.
Eintrittskarte für den an Bord befindlichen
Reedereischiffsführer herausgekitzelt. Beim Studium
der Tippliste gab es 11 abgegebene Tipps von 1:0 bis
3:1, aber keinen mit dem Ergebnis 1:3. Also trug ich
mich mit diesem Tipp in die Liste ein, zahlte meinen
Obolus von 1 Gulden, ertrug den Hohn und Spott
meiner Gastgeber mannhaft und begab mich mit meinem
Schiffsführer abends zum Feijenoord-Stadion.
Gegenüber der Koniginloge nahmen wir im Block N
Reihe 64 unsere Plätze ein, missbilligend beäugt von
Sparta-Anhängern, wenn wir die Bayern anfeuerten.
Zur Halbzeit stand es 0:1, Gerd Müller hatte
getroffen und aus meinem Tipp konnte noch was
werden. Als der Ausgleich zum 1:1 fiel, fielen vor
Begeisterung auch einige Holländer unter uns von
ihren Sitzen, allerdings durfte ich mir einige Zeit
später, es stand inzwischen 1:2, auch eine deutliche
Rüge hinter den Spiegel stecken: 30m unter uns lief
Beckenbauer mit dem Ball am Fuß elegant an der
Seitenlinie Richtung Sparta-Tor, als sich ihm
unbemerkt von hinten ein Sparta-Spieler näherte.
“Franz, Hintermann!“ schrie ich, so laut ich konnte.
Das war selbst einem toleranten Niederländer des
Guten zu viel, 3 Sitzreihen unter uns drehte er sich
zu mir um und rief: “He, Muff, niet vorzeggen!“
Wiederum Gerd Müller erzielte das 1:3, leider waren
aber noch 12 Minuten zu spielen, die Bayern hatten
Chancen über Chancen, das Ergebnis höher zu
schrauben. Als zwei Minuten vor dem Ende der Müller
Gerd frei vor dem Tor auftauchte, aber einen Meter
rechts daran den Ball vorbeidonnerte, ich vor
Entsetzen erst “Nein“ und dann “Gott sei Dank!“
schrie, musste der Gute annehmen, ich sei nun
komplett verrückt geworden, sein Kopfschütteln
sprach jedenfalls Bände.
Zurück an der Werft, übergab man mir feierlich 12
Flaschen Bokma, oude Genever, und als Zugabe in
einem Plastiksack 1 Kg. Schwarzen Tee, lose und
unverpackt. Unser Schiffsführer bat darum, zum
Duisburger Hauptbahnhof mitgenommen zu werden, was
ich schlecht abschlagen konnte, also machten wir
uns, nachdem wir unser Schmuggelgut unter den
Fahrzeugsitzen des Firmenwagens verstaut hatten,
auf die Heimfahrt.
Gegen 0:30 am frühen Morgen kamen wir an den
Autobahngrenzübergang Emmerich, der Schiffsführer
schlief neben mir den Schlaf des Gerechten, genau
so wie der deutsche Zöllner in seinem
Abfertigungshäuschen. Dienst tat neben ihm sein
holländischer Kollege.
Mühsam ein Gähnen unterdrückend kam dessen
obligatorische Frage: “Haben Ssie etwas anszugeben?“.
Meine Antwort: “Guten Morgen, Nein!“ Neben mir wurde
der Sfr. hellwach: „Ja klar, Sparta – Bayern 1 zu
3!“ „Fahren Ssie rechts ran und ssteigen Ssie aus!“
Der Tee duftete herzhaft durch den beschädigten
Plastiksack, 12 Flaschen Bokma wollten unbemerkt
über die Landesgrenze und dieser Hotzenplotz aus
Honau neben mir machte auf Völkerverständigung. Der
deutsche Zöllner, inzwischen ebenfalls unter den
Lebenden, sprach ein Machtwort: „Jan, laß ihn
fahren, die Leute kommen von der Arbeit“, worauf Jan
sagte: „Fahren Ssie, aber snell!“ Ja, was, wo im
Grenzbereich nur 40 Km/h erlaubt sind!
Der Tee ist inzwischen getrunken, eine Flasche Bokma
aber wartet immer noch im Keller auf ihren Einsatz
für den Fall, dass wir mal unverhofft Besuch aus
Holland bekommen!
Rainer
Stolte, der vom rechten Niederrhein . . .

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