Flaschenpost Nr. 4
Dezember  2006          Jahrgang 11

Sinterklaas

Früher wurde bei uns Sinterklaas groß gefeiert.

Ich komme aus einer Familie mit sechs Kindern. Das war immer ganz lustig. Als wir alle flügge wurden, war das leider nicht mehr möglich. Zwei sind an Land gegangen, vier fahren noch immer in ganz Europa umher: der eine Lüttich – Ijmuiden, der andere Rotterdam – Antwerpen, Nummer drei nach Frankreich und wir zur Donau.
Aber so war es damals und so geschieht es auch heute noch: Im Radio und Fernsehen wird Ende November bekannt gegeben, wann und wo „Sint Nicolaas“ ins Land kommt; natürlich mit dem Schiff  und mit vielen schwarzen „Pietermannen“, alle mit spanischen Namen. „St. Nicolaas“ kommt ja aus Spanien.  Es gibt dann einen großen Empfang mit Radio und TV, Blechmusik und die  Schulkinder singen Sinterklaas-Lieder. Sinterklaas steigt dann um auf sein Pferd und reitet durch die Straßen, meistens zum Rathaus, wo er vom Bürgermeister empfangen wird. Unterwegs werden Pfeffernüsse und Süßigkeiten in die Menge geworfen.
Am Abend dürfen die Kinder dann zum ersten Mal einen Schuh hinstellen, gefüllt mit Karotten fürs Pferd, oder schönen Zeichnungen oder Wunschzettel und dabei werden dann wieder Sinterklaas-Lieder gesungen. Morgens liegt dann etwas Leckeres in dem Schuh, es sei denn, man hat etwas ganz Schlimmes angestellt; dann gibt es nichts oder eine Rute!
Die nächsten Tage, bis zu seinem Geburtstag am 6. Dezember, besucht der gute Heilige Mann fast alle Schulen und Vereine, unterstützt von seinen „Pietermannen“.
St. Nicolaas wird auch oft gebeten, Familien zu Hause zu besuchen. Dann wird gelobt oder gemahnt, meistens beides und es gibt eine Kleinigkeit aus dem berühmten, großen Sack. Bei größeren Kindern und Erwachsenen ist viel Neckerei dabei.
Am 5. Dezember stellen die Kleinen zum letzten Mal ihren Schuh hin und am Morgen finden sie dann einige ihrer Wünsche erfüllt!
Als wir älter wurden, feierten wir „Päckchen-Abend“, mit Kaffee, Kuchen, Getränken und Häppchen. Es gab ganz viele Geschenke und Gedichte mit Lob, Mahnung oder Neckereien. Wir beschenkten uns gegenseitig. Vor dem Öffnen der Geschenke wurde aber erst das Gedicht laut vorgelesen.
Im Internat bastelten die älteren Kinder für einander Überraschungspäckchen. Eine Leseratte hat bestimmt mal ein Nepp-Buch bekommen, das wirkliche Geschenk war dann darin versteckt. Ein Fußballfan bekam einen gebastelten Fußball, usw.
Wir haben das bei unseren zwei Kindern auch so gemacht. Doch als sie ihre Arbeit hatten und wir auf der Donau fuhren, war es so leider nicht mehr möglich. Wir haben uns auf das Christkindl-Fest an Heiligabend umgestellt, wobei das Fest mit den Kindern dann auch mal Ende Januar gefeiert wird.
So ist das nun mal in der Schifffahrt  . .

Mimi von Lent, GMS „MAJA“

 


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