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Aus der Zeit
zwischen 1950 bis 1955
von Werner Firmbach aus Würzburg
Wir lagen in
Wesseling vor Anker und warteten auf ´ne Reise
Brikett

Querab oberhalb vom Braunkohlebüro auf Strom lagen
wir vor Anker, meist mehrere Schiffe in einem Block.
Die ganzen „Määschnickel“ und die „Neckarer Huddel“
und andere. Sie alle warteten auf ´ne Reise Brikett
in den Oberrhein, in den Neckar oder zu einer
Mainstation. Die Wartezeit nicht selten 14 Tage und
länger; Motorschiffe und Schleppschiffe.
Jeden Morgen wurde der Schiffmann mit dem Nachen an
Land gerudert und meldete sich im Braunkohlebüro,
das zum Rhein hin eine Rundverglasung hatte; ähnlich
dem Tower eines Flugplatzes. Von hier aus hatten die
Disponenten mit dem Fernglas einen weiten Überblick
über die gesamte „Wesselinger Reede“, bis runter zum
Kran 13, unmittelbar oberhalb der Godorfer
Hafeneinfahrt. Der Strom machte dort eine
Rechtsbiegung
„Adler“ hieß der Chefdisponent der Braunkohle. Er
herrschte über die gesamte Einteilung der Schiffe
und war quasi der „Liebe Gott“, dem die Schiffsleute
ehrfurchtsvoll begegneten, und er war deswegen auch
gefürchtet. Anlegen sollte man sich nicht mit ihm,
das konnte die Wartezeit verlängern. Der
Einteilungs- und Ladezeitpunkt lag in seiner Macht.
Jeden Morgen das gleiche Spiel: An-Land-rudern,
Anfrage beim Disponenten Adler, vertröstet werden
auf den nächsten Tag oder die nächste Woche . .
Zwischenzeitlich wurden ja auch
Braunkohleschleppschiffe geladen, die für einen
Schleppzug zusammen gestellt wurden, und dann z.B.
von der <Räderboot> „Braunkohle XV“ aufgepackt
wurden.
Inzwischen an Bord: „Tauschwenken“ – eine Art
Religion, war ansteckend. Holzluken reparieren,
Persennning erneuern, Persenning plexeln (besserer
Ausdruck für Flicken), neue Lukenbretter einziehen,
mit Braunteer tränken, Holzmärklinge erneuern,
Holzschotten, Holzstrau, Holzseitenverschalung
reparieren und Ritzen mit Putzwolle abstopfen, damit
Brikettstaub und bei Getreideeinladung die
Getreidekörner nicht durchrieseln.
Dann: Maschine putzen – Altöl aus den Kanälen auf
dem Motorblock mit Putzwolle aufsaugen, das vom
Kipphebel- und Ventilabschmieren herunterlief.
Kühlwasserfilter reinigen – Schmierölfilter und
Gasölfilter im Gasöleimer mit einem Eckpinsel
säubern, Filtertöpfe anschließend entlüften. Wehe,
es wurde vergessen! Stoßeisen schleifen, Roststellen
abkratzen und vorgrundieren.
Vom Gangbord aus Schiff schwarz machen und von der
Außenbordstreppe die Eichen aufmalen, wenn gerade
mal keiner auf Seit war. Kohleteetropfen im Wasser
war damals kein Delikt.
Abends dann, nach Feierabend haben wir uns mit den
Matrosen und Schmelzern von den auf Seite liegenden
Schiffen in einer unserer vorderen Decksküche
getroffen. Äppelwoi (auch Apfelwein genannt)
getrunken, gequält, erzählt von Frauen, mal über sie
gewettert, mit Ziehharmonikabegleitung Heimat-,
Volks- und Schifferlieder gesungen, auch mal einen
Schlager, soweit er zu uns aufs Wasser durchdrang.
Radio und Fernsehen: Fremdwort. Mit 12
Volt Bordspannung war gerade mal die Beleuchtung
gesichert.
Endlich waren wir an der Reihe! Order vom „Tower“
der Braunkohle: „Laden Sie heute Nachmittag, 14.00
Uhr – am Kran 13 – 650 Tonnen Brikett für
Heilbronn“.
Jetzt kommt Freude auf: Vierkant aufdecken. Einer im
Gangbord hebt die Luke unten hoch aus der Klampe und
zieht sie leicht nach unten. Der Schmelzer oben auf
dem Kappdeckel vom Scherstock turnend, mit
gespitztem Lukenhaken (auch Lückehoke genannt) in
der Hand, hebt damit das obere Lukenende frei. Ein
Ausrutscher, und der Schmelzer landet drei Meter
tiefer auf der Strau. Aber jeder hat aufgepasst. Die
Luken wurden auf das nächste Herft aufgestapelt,
dann folgte eine Lage Märklinge, darüber wurde meist
nochmals ein Stapel Luken gesetzt und obendrauf
wieder eine Lage Märklinge vom Nachbar-Laderaum. Auf
halber Stapelhöhe werden Braunkohleendchen (mit
Braunkohleeteer getränkte Taue, die von der letzten
Brikettreise „übrig“ waren) eingelegt und das Ganze
dann oben gebunden, damit der doppelte Stapel nicht
in den Raum fällt, wenn der Brikettkübel des
Ladekrans dagegen kommt.
So, jetzt Anker raus – halt: erst mal den Ankermotor
mit dem Schwengel andrehen. Zuvor Knebel raus, Lunte
rein, Knebel mit Lunte in den Zylinderkopf
reinschrauben, Dekompressionshebel anziehen, und
dann den Motor mit dem Schwengel auf Touren bringen.
Dekompression loslassen. Hoffentlich schlägt der
Hund nicht zurück. Gott sei dank, er läuft!

Fortsetzung folgt in FLAPO Nr.
1/2007
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