Flaschenpost Nr. 1
März 2007                  Jahrgang 12

Karneval in Köln 1952:

Es war in der Faschingszeit um 1954. - In Grimberg haben wir am Rosenmontag 600 Tonnen Kohle für Köln-Niehl geladen. Gegen Abend verließen wir Grimberg auf dem Rhein-Herne-Kanal in Richtung Ruhrort. Die Räume waren teilweise zugedeckt, das Gangbord war gerade noch frei. Gangbordgeländer waren noch nicht erfunden. Wegen der relativ kurzen Strecke hatten wir keine große Deckwaschaktion veranstaltet und bewaffneten uns mit Schrubber und Schöpfeimer. Der Kohledreck an Deck wurde auf diese Weise durchs Gangbord über die Speigatts in den Kanal gespült. Es war inzwischen dunkel geworden und beim Durchfahren einer der zahlreichen Straßenbrücken johlten uns die Fastnachtsnarren zu und wir johlten zurück. Mein Schmelzer Willi - kein Frauenverächter - sagte noch, Mensch, die feiern Fasching und wir  Doldis schrubben in der Nacht das Gangbord.

Na ja, unser großer Boss hat uns wenigstens beruhigend in Aussicht gestellt: wenn wir am Faschingsdienstag-Abend in Köln-Niehl sind, da könnt Ihr nochmals ausgiebig Fasching feiern. Das war doch schon was.

Am nächsten Morgen, Faschingsdienstag, ging’s weiter, wir waren guter Dinge und machten uns rechtzeitig für den  Abend schon landfein. Beim Einfahren in den Hafen Köln-Niehl waren wir daher schon sprungbereit, uns in den Faschingstrubel in Köln zu stürzen. Es war schon dunkel geworden.

Aber als wir in den Köln-Niehler Hafen einliefen und uns der Löschstelle näherten, gingen dort plötzlich die Lichter an Land an. Wir dachten noch,  die wollten uns wegen der Dunkelheit aus lauter Menschenfreundlichkeit mit ihrer Beleuchtung beim Anlege- und Festmachmanöver behilflich sein.

Von wegen: Da ertönt von Land her eine durchdringende Stimme mit der Aufforderung, unser Schiff zu mehren, alle Räume aufzudecken mit dem unmissverständlichen Hinweis, dass wir über Nacht noch leer gemacht würden.
Das war ein Hammer! Zuerst freuten wir uns am Fasching-Dienstag auf ein paar schöne Stunden Kölner Fasching und jetzt diese niederschmetternde Botschaft!

Jetzt glotzte uns von der Kranbrücke her auch noch der Scheinwerfer an,  stierte ungeduldig und durchdringend  auf unsere Räume und der Kranführer begann sofort unsere schwarze Ladung zu greifen und an Land zu schmeißen, als wir gemehrt waren.

Also, Mehren, Aufdecken und rein mit dem Greifer, Räume fegen, anschließend wieder zudecken.

Wir gaben uns unserem Schicksal murrend hin. Um 2 Uhr nachts waren wir leer, machten uns frisch und versanken in unserer Koje.             

Kölner Fasching: Ade!  
Das dachte sich damals Werner Firmbach aus
Würzburg                  

 

 

Auf dem Dampfer „RHEIN“ hatten wir eine Köchin,  ca. 40 Jahre alt.
Sie kochte nicht schlecht.
Eines Tages kamen wir abends in Passau an. Die Köchin sagte zum Kapitän, sie wolle sich eine Brille kaufen und Lebensmittel besorgen, und darum benötige sie einen Vorschuss. Sie bekam einen Vorschuss genehmigt.
Abends gingen wir alle noch in ein Nachtlokal, und wer kam zu später Stunde? Unsere Köchin! Sie hatte sich eine schöne Brille gekauft.
Es wurde getanzt und gelacht.
Am anderen Morgen sprach sie nochmals den Kapitän an, sie benötige einen Vorschuss für den Lebensmitteleinkauf. Der Kapitän sagte:“ Sie haben doch gestern Abend einen Vorschuss bekommen.“
Die Köchin antwortete dem Kapitän, sie habe das Geld für die Brille und den Besuch des Nachtlokals benötigt. Sie hätte ja auch das Recht, das Gleiche zu tun wie die übrige Mannschaft – sich einmal einen netten Abend zu machen.

Walter Schwarzbeck, Alteglofsheim

 


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