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BUCHTIPP
Einmal Hans mit scharfer Soße
von Hatice Akyün*
Die Autorin wurde
1969 in Zentralanatolien geboren und kam 1972 nach
Deutschland. Sie ist in Duisburg in einer
klassischen türkischen Großfamilie aufgewachsen, mit
drei Schwestern und zwei Brüdern. Heute lebt sie als
Journalistin in Berlin, schreibt für „EMMA“ und den
„Spiegel“ und ist trotz der Bemühungen ihres Vaters
nicht verheiratet.
„Einmal Hans mit scharfer Soße“ ist ihr erstes Buch.
Hier erzählt sie sehr humorvoll aus ihrem Leben
zwischen den zwei Welten, ein Spagat zwischen den
Kulturen. Amüsant und pointiert beschreibt sie die
Eigenheiten von Türken und Deutschen mit Humor und
Augenzwinkern. Hier wird auch im Winter das Fleisch
im Vorgarten auf den Grill geworfen, ein
achtgängiges Menü für jeden Überraschungsgast
aufgefahren und nach den besten Ehemännern für die
Töchter Ausschau gehalten. Es geht um geizige
deutsche Männer, alberne türkische Komplimente,
Achselhaare, kochende Mütter, Auto fahrende Väter,
kinderreiche Schwestern und prollige Brüder. Die
Autorin fordert kürzere Röcke und höhere Absätze und
kann nicht verstehen, wie ein Mann bei der ersten
Verabredung auf die Idee kommen kann, die Rechnung
im Restaurant zu teilen. Sie trägt kein Kopftuch,
ist nicht zwangsverheiratet und hat mit der
fehlerfreien Anwendung von Dativ und Genitiv kein
Problem. Sie liebt Deutschland von ganzem Herzen,
aber ihre Seele ist türkisch.
Wir erfahren auch, welche Vorstellungen Türken über
die Deutschen haben: Dass sie Hans und Helga heißen,
und dass Hans ein Softie ist. Daher rührt der Titel:
Die Autorin träumt von einem deutschen Hans „mit
scharfer Soße“, also mit mehr Leidenschaft und
türkischem Feuer in den blauen Augen. Hier wird es
manchmal ein bisschen peinlich, wenn sie sich selbst
als Sexgöttin, femme fatale und Besitzerin der
zweitgrößten Schuhsammlung nach Imelda Markos
beschreibt.
Auch wenn manche Passagen unkritisch und
oberflächlich abgehandelt werden, hat mich das Buch
fasziniert und gleichzeitig aufgeklärt.
A.Gaschik
* Im Februar konnte man nun im Internet lesen,
dass Frau Akyün kurz vor der Geburt einer Tochter
stehe. Sie werde darauf achten, dass ihre Tochter in
und nicht zwischen zwei Welten leben werde. In zwei
Welten zu leben sei ein Geschenk und keine Last.
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