Flaschenpost Nr. 1
März 2007                  Jahrgang 12

 BUCHTIPP

Einmal Hans mit scharfer Soße
von Hatice Akyün*

Die Autorin wurde 1969 in Zentralanatolien geboren und kam 1972 nach Deutschland. Sie ist in Duisburg in einer klassischen türkischen Großfamilie aufgewachsen, mit drei Schwestern und zwei Brüdern. Heute lebt sie als Journalistin in Berlin, schreibt für „EMMA“ und den „Spiegel“ und ist trotz der Bemühungen ihres Vaters nicht verheiratet.
„Einmal Hans mit scharfer Soße“ ist ihr erstes Buch. Hier erzählt sie sehr humorvoll aus ihrem Leben zwischen den zwei Welten, ein Spagat zwischen den Kulturen. Amüsant und pointiert beschreibt sie die Eigenheiten von Türken und Deutschen mit Humor und Augenzwinkern. Hier wird auch im Winter das Fleisch im Vorgarten auf den Grill geworfen, ein achtgängiges Menü für jeden Überraschungsgast aufgefahren und nach den besten Ehemännern für die Töchter Ausschau gehalten. Es geht um geizige deutsche Männer, alberne türkische Komplimente, Achselhaare, kochende Mütter, Auto fahrende Väter, kinderreiche Schwestern und prollige Brüder. Die Autorin fordert kürzere Röcke und höhere Absätze und kann nicht verstehen, wie ein Mann bei der ersten Verabredung auf die Idee kommen kann, die Rechnung im Restaurant zu teilen. Sie trägt kein Kopftuch, ist nicht zwangsverheiratet und hat mit der fehlerfreien Anwendung von Dativ und Genitiv kein Problem. Sie liebt Deutschland von ganzem Herzen, aber ihre Seele ist türkisch.
Wir erfahren auch, welche Vorstellungen Türken über die Deutschen haben: Dass sie Hans und Helga heißen, und dass Hans ein Softie ist. Daher rührt der Titel: Die Autorin träumt von einem deutschen Hans „mit scharfer Soße“, also mit mehr Leidenschaft und türkischem Feuer in den blauen Augen. Hier wird es manchmal ein bisschen peinlich, wenn sie sich selbst als Sexgöttin, femme fatale und Besitzerin der zweitgrößten Schuhsammlung nach Imelda Markos beschreibt.
Auch wenn manche Passagen unkritisch und oberflächlich abgehandelt werden, hat mich das Buch fasziniert und gleichzeitig aufgeklärt.

                                                                                                              A.Gaschik

   * Im Februar konnte man nun im Internet lesen, dass Frau Akyün kurz vor der Geburt einer Tochter stehe. Sie werde darauf achten, dass ihre Tochter in und nicht zwischen zwei Welten leben werde. In zwei Welten zu leben sei ein Geschenk und keine Last.                                                      

 


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