Flaschenpost Nr. 1
März 2007                  Jahrgang 12

Rühreier


Das Schiff „STUTTGART“  war bergfahrend, von Wien kommend, abends in Mondschein – so heißt der Ort in Österreich – stehen geblieben. Die Köchin gab uns den Auftrag, Eier und Speck sowie Zwiebeln mitzubringen.
Eibelmayer, der Bruckertaler und ich machten uns auf den Weg zu einem kleinen Weiler, der aus einem Wirtshaus und drei Bauernhäusern bestand. In verschiedenen Abständen befanden sich auf dem Weg dorthin vereinzelt noch einige Höfe.
In der Wirtschaft ging es lustig her. Wir machten Brotzeit und tranken Bier und Schnaps. Der Gerhardinger Sepp, genannt „der Bruckertaler“, entpuppte sich plötzlich als Viehhändler und war dabei, ein Kalb zu kaufen. Wir drei sichteten unser Barvermögen plus das Geld, das uns die Köchin mitgegeben hatte, aber wir brachten die geforderte Summe nicht zusammen.
Also vereinbarten wir mit dem Bauern, dass wir zunächst mit Eiern, Zwiebeln und Speck den Heimweg antreten wollten und am nächsten Morgen zeitig in der Früh das Kalb holen wollten. Das Geschäft wurde nochmals mit einem Obstler begossen.

Es war spät geworden, der Mond schien hell, wir waren sehr lustig unterwegs und es wurde allerhand Blödsinn gemacht.
Der Heimweg führte uns an einem beleuchteten Bauernhaus vorbei. Neugierig wie wir waren, wollten wir sehen, was es gibt. Wir schlichen zu den beleuchteten ebenerdigen vergitterten Fenstern, wie sie bei alten Bauernhäusern häufig zu finden sind. Was sahen unsere Augen? Wir erblickten eine Frau mittleren Alters, die sich gerade wusch. Sie war nackt! Wir klopften ans Fenster und lachten, die Frau erschrak heftig, der Hofhund bellte plötzlich wie verrückt.
Wir machten uns wieder auf den Heimweg, Bier und Schnaps taten ihre Wirkung. Als wir a
m Donauufer angekommen waren, wollten wir in die Zille steigen, um aufs Schiff zu kommen. Der Sepp, der die Eier trug, rutschte aus und stolperte in die Zille. Die Tasche mit den Eiern fiel ihm aus der Hand und nun hatten wir die Bescherung: Keine Eier, die Kleidung teilweise versaut, und wir schauten lustig aus!
Durch den Lärm, den wir drei verursacht hatten, kamen die Köchin sowie die Matrosen und die Steue
rleute, die noch auf waren. Wir stiegen an Bord und wurden mit Gelächter über unser Aussehen empfangen. Die Köchin begann zu schimpfen und zu zetern. Die Eier bezahlte ich ihr. Das war für uns ein Verlustgeschäft: Eier bezahlen, die Kleidung reinigen und sich auch noch auslachen lassen!

Im Nachhinein mussten wir über dieses Geschehen lachen, und wenn es zum Erzählen kommt, erinnern wir uns noch gerne an den Eierkauf und den Viehhandel in Mondschein.

Walter Schwarzbeck, Alteglofsheim

 


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