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Rühreier
Das
Schiff „STUTTGART“ war bergfahrend, von Wien
kommend, abends in Mondschein – so heißt der Ort in
Österreich – stehen geblieben. Die Köchin gab uns
den Auftrag, Eier und Speck sowie Zwiebeln
mitzubringen.
Eibelmayer, der Bruckertaler und ich machten uns auf
den Weg zu einem kleinen Weiler, der aus einem
Wirtshaus und drei Bauernhäusern bestand. In
verschiedenen Abständen befanden sich auf dem Weg
dorthin vereinzelt noch einige Höfe.
In der Wirtschaft ging es lustig her. Wir machten
Brotzeit und tranken Bier und Schnaps. Der
Gerhardinger Sepp, genannt „der Bruckertaler“,
entpuppte sich plötzlich als Viehhändler und war
dabei, ein Kalb zu kaufen. Wir drei sichteten unser
Barvermögen plus das Geld, das uns die Köchin
mitgegeben hatte, aber wir brachten die geforderte
Summe nicht zusammen.
Also vereinbarten wir mit dem Bauern, dass wir
zunächst mit Eiern, Zwiebeln und Speck den Heimweg
antreten wollten und am nächsten Morgen zeitig in
der Früh das Kalb holen wollten. Das Geschäft wurde
nochmals mit einem Obstler begossen.
Es war spät
geworden, der Mond schien hell, wir waren sehr
lustig unterwegs und es wurde allerhand Blödsinn
gemacht.
Der Heimweg führte uns an einem beleuchteten
Bauernhaus vorbei. Neugierig wie wir waren, wollten
wir sehen, was es gibt. Wir schlichen zu den
beleuchteten ebenerdigen vergitterten Fenstern, wie
sie bei alten Bauernhäusern häufig zu finden sind.
Was sahen unsere Augen? Wir erblickten eine Frau
mittleren Alters, die sich gerade wusch. Sie war
nackt! Wir klopften ans Fenster und lachten, die
Frau erschrak heftig, der Hofhund bellte plötzlich
wie verrückt.
Wir machten uns wieder auf den Heimweg, Bier und
Schnaps taten ihre Wirkung. Als wir am
Donauufer angekommen waren, wollten wir in die Zille
steigen, um aufs Schiff zu kommen. Der Sepp, der die
Eier trug, rutschte
aus und stolperte in die Zille. Die Tasche mit den
Eiern fiel ihm aus der Hand und nun hatten wir di e
Bescherung: Keine Eier, die Kleidung teilweise
versaut, und wir schauten lustig aus!
Durch den Lärm, den wir drei verursacht hatten,
kamen die Köchin sowie die Matrosen und die Steuerleute,
die noch auf waren. Wir stiegen an Bord und wurden
mit Gelächter über unser Aussehen empfangen. Die
Köchin begann zu schimpfen und zu zetern. Die Eier
bezahlte ich ihr. Das war für uns ein
Verlustgeschäft: Eier bezahlen, die Kleidung
reinigen und sich auch noch auslachen lassen!
Im Nachhinein
mussten wir über dieses Geschehen lachen, und wenn
es zum Erzählen kommt, erinnern wir uns noch gerne
an den Eierkauf und den Viehhandel in Mondschein.
Walter Schwarzbeck,
Alteglofsheim
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