Flaschenpost Nr. 2
August 2007                Jahrgang 12

Alle reden übers Klima . . .                                    

War vor einigen Jahren BSE und danach Vogelgrippe das Thema der Medien in Deutschland, ist KLIMA in diesem Jahr die absolute Nr. 1!
Politiker werden plötzlich zu Klimaexperten, Wissenschaftler  zu Moralpredigern und der Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sieht den Klimawandel inzwischen als genauso gefährlich wie Kriege. Laut SPIEGEL tobt unter den Klimaforschern eine Art Kulturkampf!

Was soll ich glauben – wem soll ich glauben – reicht es weiterhin, meinen gesunden Menschenverstand einzusetzen, mich auf meine  Lebenserfahrungen zu berufen?
Ich erinnere mich an Erzählungen meiner Großmutter über Wetterkapriolen, über heiße Sommer, die das Flussbett des Mains ausgetrocknet hatten und sie als Kind mit ihren Freundinnen dort nach verborgenen Schätzen suchen ließ. Oder an lange, eisige Winter, die den Main bei Würzburg damals mit behördlicher Genehmigung zu einem zwar vereisten, aber nutzbarem Verkehrsweg gemacht hatten. Damals war das alles normal, man nahm’s Wetter wie’s kam. Katastrophen-Szenarien wären wirkungslos gewesen, denn es gab noch kein Fernsehen, kein Radio, kein Internet. Z
eitungen hatten nur wenige Privilegierte.

Inzwischen ist es etwas wärmer geworden; ich finde das eigentlich gut, denn ich mag’s, wenn es warm ist. Wärme erzeugt ein Wohlgefühl, macht gute Laune.
Vielleicht müssen wir in Zukunft nicht mehr in südliche Länder zum Sonneauftanken fliegen (der ehemalige Umweltminister Trettin muss zum Bergsteigen nicht mehr nach Mallorca), wir müssen im Winter weniger heizen, verringern somit den CO2-Ausstoß und sparen außerdem jede Menge Geld. Werden heiße Sommer zum Normalfall, werden wir uns darauf einstellen und machen es dann eben wie die Südländer: körperlich schwere Arbeiten werden auf die Morgen- und Abendstunden verlegt, in den Mittagstunden halten wir Siesta - und wir sind in Besitz von Klimaanlagen.
Der Umweltökonom Richard Tol rechnet außerdem vor, so konnte man im SPIEGEL lesen, dass im Jahr 2050 in Deutschland rund 40.000 Menschen weniger an kältebedingten Krankheiten wie Grippe sterben werden.

Wem soll man glauben? Konträre Informationen zum zukünftigen Klima gibt des derzeit mehr als genug.
Zum Thema „Natur und Klima“ kann ich ein äußerst interessantes Buch des Zoologen Prof. Josef H. Reichholf „Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends“ empfehlen. Prof. Reichholf gilt als einer der vielseitigsten Naturwissenschaftler Deutschlands.
Kurzer Ausschnitt aus dem Vorwort des Buches:
. . . Wir aber möchten in unserer überheblichen Annahme, das einzig Richtige zu kennen, dem Augenblick der Welt, den wir zufällig erleben, frei nach Goethe „Dauer verleihen“. Unsere Zeit und die Zeit unmittelbar davor ist aber keineswegs die beste aller Zeiten (gewesen). Wir kennen nur nichts anderes und wollen deshalb trotzig darauf beharren, dass sich nicht ändern darf.

Herrn Prof. Reichholf kenne ich von mehreren Veranstaltungen zum Donauausbau. Von ihm stammt auch die für Donauausbau-Gegner/Befürworter bekannte Frage: „Wer sagt denn, dass der momentane Zustand der Donau der optimale ist?“

Das Buch „Eine kurze Naturgeschichte des letzten Jahrtausends“ ist verständlich geschrieben und meiner Meinung nach realistisch.
Erschienen ist es im Jahr 2007 im S. Fischer Verlag. ISBN 978-3-10-06294-5

 

Karin Scheubner, MS JENNY

 


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