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Im Internet entdeckt:
Trotz „noiroze“ zur „arubaito“
Erstaunlich viele deutsche
Wörter haben den Sprung in andere Sprachen geschafft
Wer kennt sie nicht,
die wehleidige Klage vom Niedergang der deutschen
Kultursprache, die – drangsaliert und korrumpiert
durch unwürdige Eindringlinge aus der Bronx oder der
Internet-Seite My Space – dem Untergang geweiht sei.
Der Deutsche Sprachrat hatte das Jammern satt. Statt
mitzusingen im kulturpessimistischen Chor, riefen
die Sprachexperten in München nun zu einer Art
Revanche auf. Weltweit wurden die Menschen
aufgefordert, nach aus dem Deutschen „ausgewanderten
Wörtern“ Ausschau zu halten und sie nach München zu
melden.
Die sportliche Attitüde des Rats hat sich ausgezahlt
– sechstausendfach. So viele Wortfundmeldungen
gingen aus Russland und Japan, den USA und Südafrika
ein. Eine Bereicherung: Neben den bekannten
Klassikern wie sauerkraut, kindergarten
und weltschmerz tauchte eine Vielzahl neuer
Trouvaillen auf. Das schönste Beispiel ist
vielleicht der Begriff nusu kaput aus dem
ostafrikanischen Kiswahili. In der Sprache bedeutet
nusu so viel wie halb, kaput eben
kaputt, und als Summe ergibt das: Narkose.
Das Beispiel zeigt, wie die meisten Wörter den
Sprung in eine andere Sprache schaffen. Nämlich
dann, wenn sich ihnen in der Fremde eine
Benennungslücke öffnet, wie das die
Sprachwissenschaftler nennen. Besonders oft das das
Russische deutschen Wörtern linguistische
Arbeitsplätze angeboten. Vom schlagbaum
(Bahnschranke), über vorschmack
(Hering-Vorspeise), bis zum butterbrot
(Sandwisch, allerdings ohne Butter; niemand weiß,
wie die Butter vom russischen butterbrot
verschwunden ist).
Fast nebenbei ergab sich für die Wortsammler des
Sprachrats auch ein ethnologischer Befund: Denn die
ausgewanderten Wörter spiegelten just oft jenes Bild
wider, das sich viele Völker von den Deutschen
machen. So kanzeln Finnen gerne die besservisseri
ab, wie die serbischen Schüler den streber.
Ihre Hausmeister nennen die Finnen vahtimestari
(von Wachtmeister), während die Japaner mit der
arubaito eine Teilzeitarbeit bezeichnen, die
neben dem Hauptjob verrichtet wird. Auch die
japanische noiroze ist dem deutschen
Seelenleben entliehen. Weniger feinfühlig sind die
Engländer, die ihre Hunde bevorzugt auf Deutsch
herumkommandieren: Platz! Pfui! Schmeiss!
Besonders erfolgreich waren und sind die Wörter aus
dem Oktoberfest-Komplex. Kipp es!
heißt auf Finnisch und in Argentinien so viel wie
Prost! Das Wort gemütlichkeit bedeutet im
Amerikanischen Volksfest, und wenn ein Tscheche eine
runda spendiert, so bekommt jeder im Lokal was
ab. Weil in Norwegen der Alkohol im Restaurant teuer
ist, trifft man sich um Vortrinken, vorspiel
geheißen; das nachspiel nach der Kneipe gibt
es auch noch. Die Japaner bestellen ab und zu ein
kirushuwassa (Kirschwasser), und wenn die
Franzosen un schnaps zu viel hatten,
titulieren sie ihren Zechkumpanen schon mal mit
blödman.
Eine gewisse
Genugtuung kann der Sprachrat nicht verhehlen, wenn
er meldet, dass es ein deutsches Wort sogar ins
britische Jugendidiom geschafft hat: Statt mega
heißt es in London und Liverpool nun uber.
Sogar in der Computerdomäne konnten sich hiesige
Ausdrücke festsetzen: Israeli nennen das @-Zeichen
strudel, und die Russen sagen brandmauer
für die Schutzsoftware, die neudeutsch Firewall
genannt wird.
Den größten Triumph im Weststreit der Sprachen hat
für uns aber das Wort Handy. Erfunden wurde
es im deutschen Sprachraum, auch wenn es für unsere
Ohren englisch klingt. Doch nun sind immer mehr
Amerikaner zu hören, die ihr mobile auch
handy nennen. Ist das nicht cool?

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